Grafschafter Wochenanzeiger – Adventskalender – Türchen 21

 

MiBuRo  A d v e n t s k a l e n d e r 

Türchen  

Weihe-Nacht

Ein leises Rauschen durch die Tannenzweige –
des kurzen Tages Zwielicht geht zur Neige.

Im Westen glimmt ein matter Rosenstreif,
auf stille Fluren fällt der weiße Reif.

Der weiße Reif, der rings das Feierkleid
der Erde stickt mit flimmerndem Geschmeid.

Der Abend kommt. Es kommt die heilige Nacht,
die aus den Menschen selige Kinder macht,

die Weihe-Nacht, da trost- und wundersam
ein Märchentraum zur dunklen Erde kam:

Der Friedenskönig, den die Welt verstieß,
weil er die Armen Gottes Kinder hieß.

 

Weil er den Sanften, der den Frieden liebt,
den Liebenden, der seine Seele gibt,

weit über alle Reichen dieser Welt,
hoch über alle Herrschenden gestellt.

Du Weiser, seit die Engelharfen klangen,
sind nun Jahrtausende dahingegangen,

die deinen Namen auf den Fahnen trugen
und zu den fernsten Ländern Brücken schlugen,

Millionen Kirchen prangen dir zum Ruhme,
die ewige Flamme brennt im Heiligtume …

Und dennoch, du, der Sklaven Heil gespendet,
du wärst noch heut in tiefe Nacht gesendet,

du schienst auch heut in unser finstres Tal
aus fernen Himmeln, ein verirrter Strahl;

und gingest du im schlichten Arbeitskleid
durch deine Menschheit, deine Christenheit,

sie hätten heute dir das Kreuz errichtet
und morgen dir den Holzstoß aufgeschichtet!

Hoch auf dem Grunde, den dein Blick gesucht,
darüber hin rast laut der Zeiten Flucht,

da regt sich’s dumpf, und aus der Erde Schoß
ringt sich der Urquell aller Sehnsucht los.

Die Welt durchhallt ein Schrei nach Luft und Licht:
Wann braust du, Strom, der Wall und Schranke bricht?

 

Wann kommst du, Tag, da hell die Sonne steigt,
vor deren Glanz der tiefste Schatten weicht?

(Clara Müller-Jahnke, 1860-1905)

Hallo, ihr lieben Leser alle vom Grafschafter Wochenanzeiger, es ist wieder Zeit für unser Türchen 21, das in allen Jahren zuvor einem besinnlichen oder nachdenklichen Thema gewidmet war. In diesem Jahr ist es selbst mir sehr schwer geworden, Worte zu finden. 

Drolligerweise hat mir dann die Öffnung unseres heutigen Kalendertürchens dabei ein wenig geholfen, laßt uns dann auch zu diesem Tag erst einmal das Türchen öffnen:

Fest verschlossen noch, das Türchen 21

Hier ist wirklich Spannung angesagt. 

Und da ist er, in seiner ganzen frostigen Pracht: Väterchen Frost, der Winter. 

Prächtig, oder? 

Auch ihn haben wir natürlich mit passender Kulisse in Szene gesetzt. 

Väterchen Frost, das Sinnbild des Winters, die Natur geht in die Ruhephase, sie zieht sich zurück, alles erstarrt, wird frostig und scheinbar ohne Leben, Eis hindert das Wasser am fließen, Schnee deckt die Felder zu, es scheint, als gäbe es kein Leben, nichts lebendiges mehr. Aber unter der frostigen Decke sammelt die Natur Kraft für den kommenden Frühling, sie braucht diese Pause, um im nächsten Jahr zum wieder steigenden Licht sich erneut zu regen, auszuschlagen, zu grünen und zu blühen. 

Eigentlich bräuchte auch der Mensch solche Ruhephasen, aber wir hasten und rennen, wir halten nicht inne, wir müssen von einem Event zum anderen, von einem Genuß zum nächsten, nur wer immer präsent, immer bereit und immer erreichbar ist, ist Sieger. Äußerlich wirken wir agil, fit, strotzend vor Kraft und Gesundheit, aber in den Seelen ist Eiszeit, alles bleibt oberflächlich, nichts geht mehr richtig in die Tiefe, denn dazu haben wir keine Zeit. 

Und jetzt zwingt uns ein Virus zur Ruhe, zum Stillstand, zur Unbeweglichkeit, selbst lose Kontakte werden fast unmöglich, es ist so vieles verboten, das Virus schränkt uns ein, verbietet Nähe, Austausch, Kommunikation und Rudelgemütlichkeit. Alles zum Schutz der Schwachen, die wir bisher bei unserem rennen und hasten kaum beachtet haben, die auch an Weihnachten in all den Jahren vorher nur eine untergeordnete Stellung hatten und mit allem, was in der Advents- und Weihnachtszeit noch zu erledigen, zu besorgen und vorzubereiten war, mit „abgehakt“ wurden, schließlich ist man ja zu Weihnachten doch mal wieder kurzfristig ein guter Mensch. Im Rahmen, die die Zeit erlaubt, die man noch hat beim Geschenkerummel und Konsum. 

Nun rufen, schreien wir nach Erlösung aus dieser Starre, wollen uns endlich wieder in den Arm nehmen können, beieinander sein dürfen ohne mathematische Berechnungen, ab wann es zu viele werden bezüglich der Ansteckungsgefahr! Wollen endlich „unser altes Leben zurück“! Wollen wir das wirklich? Weiter machen wie oben beschrieben, ohne Rücksicht auf Verluste? Oder liegt nun hier im Virus gerade eine Chance, gewinnen wir endlich zurück, was wir so lange verloren glaubten: Echte Menschlichkeit mit Augen und Ohren für die schwächsten, für die Natur und ihre vielfältigen Lebewesen, die wir teilweise schon ausgerottet haben durch unser rücksichtsloses Verhalten? Wie wäre es denn, wenn wir die Starre im außen für das auftauen unserer Seelen von innen nützen würden? Wenn wir der Oberflächlichkeit unserer „Bussi-Bussi-Beziehungen“ wieder Tiefe und Gemeinsamkeit geben würden? Wenn wir wirklich wieder zuhören würden mit dem Willen zum verstehen, zum helfen und raten? Das Virus hält uns den Spiegel vor, es ist so rücksichtslos und expansiv, wie wir es bisher waren. 

Wir müssen innerlich „auftauen“ wie die Natur im Frühling, wenn Frost und Eis zurückweichen vor den wärmenden Strahlen der Sonne, wir stehen vor der großen Herausforderung, Nähe herzustellen trotz Distanz, Solidarität ohne Rudelverhalten. Nur so kann in diesem Jahr wirklich Weihnachten werden, nehmen wir die Herausforderung an, bieten wir dem Virus die Stirn, zeigen wir uns als Menschen, als Mitglieder einer Gemeinschaft zum Wohle aller! So können wir vielleicht auch die erreichen, die jetzt noch gänzlich fern dieser Möglichkeit stehen und weiterhin nur ihr kleines, selbstsüchtiges ICH pflegen, so kann es dann Weihnachten werden, wie es Ringelnatz in seinem Gedicht beschreibt:

„Wenn wir im Traume eines ewigen Traumes
alle unfeindlich sind – einmal im Jahr! –
Uns als Kinder fühlen eines Baumes.
Wie es sein soll, wie’s allen einmal war.“

Zum Schluß meiner „Epistel“ möchte ich noch ein kleines Beispiel erzählen, wie man mit guten Ideen und einem warmen Herzen und Fürsorge für die „Seinen“ auch in diesen Zeiten trotz Distanz und Abstand Freude, Glück und Anerkennung für geleistetes geben kann: Mein Sohn ist derzeit schon lange im Homeoffice, nun war es auch in seinem Betrieb zu jeder Weihnachtszeit Usus, eine kleine Betriebsfeier abzuhalten, bei der der Chef seinen Mitarbeitern dankt für die geleistete Arbeit im Jahr. Da war in diesem Jahr natürlich kein Gedanke dran, was tat also besagter Chef: Er hat für seine Mitarbeiter gekocht, hat alles gut eingepackt, hat sich in sein Auto gesetzt und ist seine Leute abgefahren, um ihnen auf Distanz das Essen zu bringen, danke zu sagen und ein frohes Fest zu wünschen! (Es ist ein kleiner Betrieb, aber dennoch!) Ich fand das wunderbar, und die Freude der Mitarbeiter könnt ihr euch sicher lebhaft vorstellen. 

Und wo wir nun zum Schluß beim auftauen der Seele waren und bei wärmender Mitmenschlichkeit, da paßt doch sogar das 2. Türchen unseres Gewürzkalenders, denn guckt einmal, was da nun drin war:

Nun endlich, lach! Bratapfelgewürz! Ist das nicht herrlich passend? Was wärmt denn schöner als so ein feiner Bratapfel, wenn man durchgefroren ist, und was ist süßer als so ein leckerer Bratapfel mit den feinen Gewürzen! 

Damit wäre ich nun wirklich am Ende, aber nicht, ohne euch noch hübsche Bilder von Väterchen Frost zu präsentieren, der der Auslöser unseres heutigen besinnlichen Türchens war:

Und der offensichtlich auch ein Herz für „seine“ Tiere hat, die wohl am besten der kalten Zeit trotzen können. 

Damit wünschen wir euch allen einen schönen Montag, und einen guten Start in eine hoffentlich geruhsame Woche kurz vor dem Fest, wir wünschen euch und allen Menschen dieser Erde ein gutes Gelingen der heurigen Weihnacht, ein mitnehmen des Weihnachtsgefühls in den Alltag, gerade in diesem Jahr so wichtig. Laßt euch nicht unterkriegen, bewahrt euch Mut und Zuversicht, denkt an das köllsche Grundgesetz und bleibt oder werdet alle gesund! Und ich möchte euch an dieser Stelle auch im Namen meiner Redaktion ganz herzlich danken für eure Treue und euer Dasein hier, das hilft uns hier über so vieles hinweg, was derzeit, mit Verlaub, einfach Sch….. ist! Habt Dank! 

Euer Redaktionsteam vom Grafschafter Wochenanzeiger mit Mimi in heaven

Otto und Luzia

Habts fein!  

Grafschafter Wochenanzeiger – „Geduld überwindet Schweinebraten…..“

Geduld und Phlegma! Das ist der Befehl
erfahr’ner Lebenskenner;
Durch die Wüste führt besser das Kamel
als ein feuriger Renner.

(Albert Roderich, 1846 – 1938, deutscher Dichter und Aphoristiker)

Hallo, ihr lieben Leser vom Grafschafter Wochenanzeiger, da sind wir doch nun endlich mal wieder!

Geduld ist derzeit wohl ein sehr wichtiges und gewichtiges Wort in den Zeiten der Corona-Krise, und so haben wir unseren Eintrag mit dem Titel begonnen, den wir von Theodor Storm entlehnt haben, der Satz stammt aus der Novelle „Lena Wies“.

Das Gedicht bzw. der Vierzeiler paßte dann auch so prima dazu und ich erinnerte mich an ein Bild aus dem Kölner Zoo, das das Gedichtchen vortrefflich abrundet!

Wir haben es alle nicht leicht in diesen Zeiten, die Tugend der Geduld ist auch nicht jedem in die Wiege gelegt worden, mir zum Beispiel so gar nicht, deshalb schrieb mir mein Vater schon in das Poesiealbum seines damals noch kleinen Mädchen: „Glaube mir, du hast viel getan, wenn du Geduld gewöhnst dir an.“ Das ist, wenn ich mich recht erinnere, vom Geheimrat Goethe!

Und so versuchen wir in diesen eingeschränkten Tagen, das beste aus der Situation zu machen, der Seele kleine Auszeiten gönnen, sich wieder an den kleinen Dingen des Lebens freuen, an denen man so oft achtlos vorüber geht, dankbar zu sein, für das, was man noch hat: Wenn alle Lieben aus Familie, Freundes- und Bekanntenkreis gesund sind, meine Mimi ist noch da, ich habe eine gemütliche Wohnung mit einem herrlichen Balkonien, auf dem wir auch bei eingeschränktem Ausgang die Natur und die frische Luft draußen genießen können. Und wir haben unsere Blogs, das Internetz, Skype, Smartphone-Video-Anrufe, so können wir virtuell miteinander verbunden sein und uns austauschen, unterstützen und Mut machen, auch wenn wir keinen persönlichen Umgang miteinander haben dürfen! Das genieße ich derzeit sooooo sehr mit meinen Kindern, die Gott sei Dank gesund sind.

Da wir derzeit das Thema geradezu inflationär um die Ohren geschlagen bekommen, möchte ich dazu nun nicht auch noch mich auslassen, wir machen es jetzt wie der oben erwähnte Geheimrat Goethe: „Der Worte sind genug gewechselt, nun laßt uns endlich Bilder sehen“, sehr frei nach Goethe, lach! Und so präsentieren wir euch die ersten Bilder vom frühlingshaften Balkonien, oder sagen wir mal, von einem Balkonien, daß noch so werden will, aber gut Ding will Weile haben und Weile haben wir derzeit alle genug!

Die Birke grünt wieder!

Salbei und Thymian schlagen wieder aus:

Auch die kleine Balkonrose sprießt

Und worüber ich mich ganz besonders freue: Johannisbeere und Himbeere aus dem letzten Jahr kommen wieder:

Die Johannisbeere schon richtig kräftig!

Stimmungsbild!

Die Wildbienen umschwirren wieder ihre Villa, das freut mich so sehr! Über der grünen Knospe rechts unten im Netzquadrat kann man so eben eine sehen! Deutlicher ging nicht, die sind so schnell!

Der Magnolienbaum am Jugendhof in meiner Grafschaft steht in voller Blüte!

Glastüren-Blickwinkel!

Natürlich war auch Mimi mit von der Partie auf Balkonien, anfangs war ihr aber der Wind noch zu heftig und zu kühl, aber gestern fand sie es auch herrlich, da hat sie sich von ihrem derzeitigen Lieblingsplatz, dem Sofa/Sessel-Kissen, erhoben und ist auch mal rausmarschiert.

Da war es ihr in der Sonne dann sogar schon zu warm, Schattenplätzchen gesucht.

Das Körbchen war zu sonnig! Und als die Sonne langsam unterging, sind wir wieder rein!

Mimi mit ihrem Schatten

also quasi zwei Mimis, lach!

Zarte Birkenblätter

und Mimi ist derzeit wieder auf ihrem Stammplatz angekommen.

In all den wirrigen Zeiten sind nun zwei Ereignisse des Grafschafter Wochenanzeiger ganz untergegangen:

Am 24. März hat unser Volontär Ruddi seinen Geburtstag gehabt und ist natürlich vom gesamten Redaktionsteam hier gebührend gefeiert worden, aufgrund all des ganzen Mist um uns rum halt leider nur im kleinen Kreis, das hatten wir uns zu Anfang des neuen Jahres so ganz anders vorgestellt, denn letztlich hatte ja auch die Redaktion unseres Grafschafter am selben Tag Geburtstag, auch den Wochenanzeiger gibt es jetzt schon ein Jahr!

Hoch die Tassen, laßt euch den Sekt schmecken!

Zum Schluß unserer Ausgabe zum Wochenende hab ich ein Lied gefunden, ich hatte gestern die ganze Zeit den Text im Kopf, eigentlich geht es in dem Lied um eine Liebesbeziehung, aber es paßt auch ganz wunderbar in diese ver-rückte Zeit!

„Rücksicht“ von Hoffmann & Hoffmann, Germany Eurovision 1983, der Text steht drunter bei „mehr anzeigen“.

Ganz sind wir noch nicht am Ende dieses Eintrages angelangt, denn ganz besonders in diesen Tagen fühlt sich der Grafschafter Wochenanzeiger verpflichtet, das nötige Scherflein in Sachen Humor beizutragen: Der Running-Gag des Jahres 2020:

Leergefegte Klopapier-Regale! Also ich sag jetzt mal flapsig so, das ist doch der allerbeste Beweis, daß das Corona-Virus (COVID-19) echt „watt für’n Arsch“ ist!

In diesem Sinne, „Hol di stief und fuchtig“, paßt alle gut auf euch auf und bleibt gesund, habt ein schönes Wochenende, macht es euch derzeit überhaupt so schön wie möglich!

Und selbstverständlich schließt sich hier auch der Grafschafter Wochenanzeiger mit einem ganz herzlichen Dank an alle die stillen Helden da draußen im Kampf um unsere Gesundheit und unser Wohlergehen an: Ihr seid alle Spitze, alle, egal an welchem Platz, ob im Krankenhaus, Supermarkt, Altenheim, öffentlicher Verkehr, Feuerwehr und Polizei, laßt euch danke sagen, ich hoffe so sehr, daß die Menschen nach dieser Krise nicht wieder vergessen, wem sie das überwinden dieser zu verdanken hat! Der Blumenstrauß ist für euch alle:

Und bis dahin üben wir uns alle in Geduld, bleiben zu Hause und hoffen, daß doch vielleicht bald das Schlimmste überstanden ist!

Habts fein alle, und bleibt gesund!!!