Von Eseln und Kätzchen…..

…..Palmsonntag!

                                

Palmsonntag

Kätzchen ihr der Weide,
wie aus grauer Seide,
wie aus grauem Samt!
O ihr Silberkätzchen,
sagt mir doch, ihr Schätzchen,
sagt, woher ihr stammt.

Wollen’s gern dir sagen:
Wir sind ausgeschlagen
aus dem Weidenbaum,
haben winterüber
drin geschlafen, Lieber,
in tieftiefem Traum.

In dem dürren Baume
in tieftiefem Traume
habt geschlafen ihr?
In dem Holz, dem harten
war, ihr weichen, zarten,
euer Nachtquartier?

Mußt dich recht besinnen:
Was da träumte drinnen,
waren wir noch nicht,
wie wir jetzt im Kleide
blühn von Samt und Seide
hell im Sonnenlicht.

Nur als wie Gedanken
lagen wir im schlanken
grauen Baumgeäst;
unsichtbare Geister,
die der Weltbaumeister
dort verweilen läßt.

Kätzchen ihr der Weide,
wie aus grauer Seide,
wie aus grauem Samt!
O ihr Silberkätzchen,
ja, nun weiß, ihr Schätzchen,
ich, woher ihr stammt.

(Christian Morgenstern)

Hach, es ist doch immer wieder zu schön, wenn ich mir so die Fragezeichen in euren Augen vorstelle, hihihi! Esel, Kätzchen und Palmsonntag??? Wie das???

Na, ich hab mal wieder in meinem Feste- und Bräuchebuch gestöbert, und nun werde ich mal auflösen, wie ich auf den Titel kam:

Palmsonntag: Mit diesem Sonntag beginnt die Karwoche. Die Palmweihe ist am Palmsonntag der Beginn der katholischen Messe. Sie ist eine Wiederholung des Jubels, von dem Jerusalem widerhallte, als Christus im Triumph in die Stadt einzog. Bei Matthäus heißt es: „Sehr viele vom Volke breiteten ihre Kleider über den Weg, andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg…“ Das waren Palmen und Ölzweige als Symbol des Siegs über den Fürsten des Todes, Ölzweige als Symbol für den Frieden. Und weil Jesus vor allem die Kinder entgegenliefen, tragen sie auch heute bei der Prozession nach der Palmweihe in der Kirche festlich geschmückte Palmstecken in der Hand. Die Palmen werden je nach Landschaft ersetzt durch „Palm“- Kätzchen, Buchsbaum oder Immergrün.

Da sind sie, die Kätzchen vom Titel, „Palmkätzchen“, Sträuße und Buschen aus Weidenkätzchen gebunden.

(Sal-Weide (Salix caprea), Illustration Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé, Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz, 1885, Gera)

Die einfachsten Palmbuschen sind Handsträußchen, die einfachsten Palmstecken bestehen aus einem Stab, an dessen Spitze ein Palmenstrauß mit einem Kreuz oder einem Ei gebunden wird. Der Stab wird mit farbigen Bändern umwickelt.

Ich hab für meine Palmstecken immer ein Ei genommen, und daran befestigt ist ein Fähnchen aus Spitze

 

Das gleiche Fähnchen schmückt auch immer das gebackene Osterlamm!

Die hohen Palmbuschen werden vorm Haus oder im Garten aufgestellt, sie schützen vor Feuer und Blitz, auch vor Krankheit, teilweise wurden sie früher auch an den Rand der Äcker gestellt. Die großen Palmbuschen sind in manchen Gegenden richtige Kunstwerke:

(W. G. Schwarz: Palmsonntag in Moskau zur Zeit des Zaren Alexej Michajlowitsch 1865)

Nun hätten wir die Kätzchen erklärt, und was ist mit dem Esel? Fragen wir doch noch mal mein Feste- und Bräuchebuch:

Palmesel ist derjenige, der als letzter aufsteht, der als letzter in die Kirche kommt oder der als letzter die Kirche verläßt, auf jeden Fall einer, der gern alles verschläft.

Einen Brauch zum Palmsonntag fand ich auch noch schön:

Ein Nadelkissen bekamen alle, die im letzten Jahr geheiratet hatten, von den „alten“ Ehepaaren: Symbol für die kleinen, aber überwundenen Sticheleien des ersten Ehejahres.

(Quelle der Texte zum Palmsonntag: Sybil Gräfin Schönfeldt, Das große Ravensburger Buch der Feste und Bräuche)

Die Natur hat sich zum Palmsonntag ja schon wunderbar geschmückt mit herrlichem Grün, auch auf Balkonien hat es seinen Einzug gehalten:

meine kleine Birke

und meine Forsythie mit den großen Birken draußen!

Und etwas hübsches hab ich noch für euch, ich war in der letzten Woche hier in unserem Blumenladen und auf dem Weg dorthin fand ich etwas im Straßenstaub:

Eine Osterglocke! Natürlich hab ich sie aufgehoben und mitgenommen, nun schmückt sie meinen kleinen Frühlingsstrauß auf Balkonien:

Und noch was schönes hab ich zu berichten, mein Zitronenbäumchen hat die ersten Knospen angesetzt:

Die Fortschritte des Pizza-Anzuchtsset folgen in einem späteren Eintrag! Da sprießt es auch schon herrlich vor sich hin!

Da mit dem Palmsonntag die Karwoche und damit die letzte Woche vor Ostern beginnt, hab ich schon mal meinen Fundus durchgeguckt zwecks Osterdekoration, viel wird es heuer nicht, da ich ja die Ostertage bei meinen Kindern in Köln verbringe, freu, freu! Aber die Ostereier für den Osterstrauß hab ich schon mal gesichtet, da könnt ihr jetzt dran teilhaben:

Meine gesammelten Schätze aus Björns Kindergarten- und Schulzeittagen, einschließlich diesem Prachtstück

das wir mal gemeinsam bemalt haben nach der Vorlage des berühmten Hahn- und Henne-Geschirrs

http://www.zeller-keramik.de/index.php?id=35

das hatte Björn in seinen Kindertagen, bestehend aus flachem und tiefen Teller, Kaffeegedeck und einer Namenstasse! Muß ich mal fotografieren, das befindet sich natürlich noch in meinem Fundus! Ach, ja, ein Brotbrettchen gab es, glaube ich, dabei auch.

Aus gegebenem Anlaß möchte ich diesen Eintrag nun schließen mit einem kleinen Gedicht von Wilhelm Busch

Buch des Lebens

Haß, als minus und vergebens,
wird vom Leben abgeschrieben.
Positiv im Buch des Lebens
steht verzeichnet nur das Lieben.
Ob ein Minus oder Plus
uns verblieben, zeigt der Schluß.

(Wilhelm Busch)

und einem Lied, das wir während der Fastenzeitfrühschichten in der Kirche gesungen haben

der Text ist urheberrechtlich geschützt, deshalb stell ich mal noch eine Version ein, wo man den Text besser versteht:

Frieden beginnt immer im eigenen Herzen!

Habt alle einen guten, friedvollen Palmsonntag!