Grafschafter Wochenanzeiger – „Es ist an der Zeit.“

Krieg dem Kriege

Sie lagen vier Jahre im Schützengraben.
Zeit, große Zeit!
Sie froren und waren verlaust und haben
daheim eine Frau und zwei kleine Knaben,
weit, weit –!

Und keiner, der ihnen die Wahrheit sagt.
Und keiner, der aufzubegehren wagt.
Monat um Monat, Jahr um Jahr …

Und wenn mal einer auf Urlaub war,
sah er zu Haus die dicken Bäuche.
Und es fraßen dort um sich wie eine Seuche
der Tanz, die Gier, das Schiebergeschäft.
Und die Horde alldeutscher Skribenten kläfft:
„Krieg! Krieg!
Großer Sieg!
Sieg in Albanien und Sieg in Flandern!“
Und es starben die andern, die andern, die andern …

Sie sahen die Kameraden fallen.
Das war das Schicksal bei fast allen:
Verwundung, Qual wie ein Tier, und Tod.
Ein kleiner Fleck, schmutzigrot –
und man trug sie fort und scharrte sie ein.
Wer wird wohl der nächste sein?

Und ein Schrei von Millionen stieg auf zu den Sternen.
Werden die Menschen es niemals lernen?
Gibt es ein Ding, um das es sich lohnt?
Wer ist das, der da oben thront,
von oben bis unten bespickt mit Orden,
und nur immer befiehlt: Morden! Morden! –
Blut und zermalmte Knochen und Dreck …
Und dann hieß es plötzlich, das Schiff sei leck.
Der Kapitän hat den Abschied genommen
und ist etwas plötzlich von dannen geschwommen.
Ratlos stehen die Feldgrauen da.
Für wen das alles? Pro patria?

Brüder! Brüder! Schließt die Reihn!
Brüder! Das darf nicht wieder sein!
Geben sie uns den Vernichtungsfrieden,
ist das gleiche Los beschieden
unsern Söhnen und euern Enkeln.
Sollen die wieder blutrot besprenkeln
die Ackergräben, das grüne Gras?
Brüder! Pfeift den Burschen was!
Es darf und soll so nicht weitergehn.
Wir haben alle, alle gesehn,
wohin ein solcher Wahnsinn führt –

Das Feuer brannte, das sie geschürt.
Löscht es aus! Die Imperialisten,
die da drüben bei jenen nisten,
schenken uns wieder Nationalisten.
Und nach abermals zwanzig Jahren
kommen neue Kanonen gefahren. –
Das wäre kein Friede.
Das wäre Wahn.
Der alte Tanz auf dem alten Vulkan.
Du sollst nicht töten! Hat einer gesagt.
Und die Menschheit hörts, und die Menschheit klagt.
Will das niemals anders werden?
Krieg dem Kriege!
Und Friede auf Erden.

(Kurt Tucholsky, 1890 – 1935, Pseudonyme: Kaspar Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger, Ignaz Wrobel; dt. Schriftsteller, Journalist, Literatur- und Theaterkritiker der Zeitschrift „Die Schaubühne“, später umbenannt in „Die Weltbühne“, zählt zu den bedeutendsten Publizisten der Weimarer Republik)

Liebe Leser vom Grafschafter Wochenanzeiger, auch an unserer kleinen Redaktion gehen die Weltgeschehnisse nicht spurlos vorüber, und so ist es mir heute ein großes Bedürfnis, mir hier redaktionell Luft zu machen. 

Wir haben uns hier in unserer kleinen Zeitung gerade in den derzeitigen Corona-Zeiten des öfteren über mangelnde Empathie und Solidarverhalten seitens unserer lieben Mitmenschen ausgelassen, was aber nun „da draußen“ abgeht angesichts der verheerenden Entwicklung in Afghanistan nach der Machtübernahme durch die Taliban, das schlägt dem Faß den Boden aus und bedarf auch in unserer kleinen Redaktion einer Aufarbeitung. 

Ihr erinnert euch alle an meine „Bauernhofarbeitsstelle“, von der ich euch schon so viel berichtet habe

und die im Oktober 2013 einem Brand zum Opfer fiel und wie ihr ebenfalls alle wißt, gehörte diese Arbeitsstelle namens „Ponderosa“ zu einer gemeinnützigen Einrichtung, damals „Aktion Friedensdorf Oberhausen“, heute „Friedensdorf International“. 

Wen die Geschichte und die heutige Arbeit interessiert, da hätte ich zwei Links zum nachlesen:

Es begann in Vietnam

Was Wir Tun

Angesichts dieser guten Arbeit unter anderem auch in Afghanistan mußte ich nun in den letzten Tagen unter den Berichterstattungen der aktuellen Lage  in Presse, Rundfunk und Fernsehen mit Entsetzen Kommentare von wohlstandsverwahrlosten Menschen unseres Landes, mit über 70-jährigem Frieden im eigenen Land im Rücken, zur Kenntnis nehmen, die von mangelnder Empathie und Mitleidensfähigkeit nur so strotzen, die vehement ihre eigenen kleinen Pfründe „verteidigen“ und Flüchtlingsströme befürchten von jungen, „wehrfähigen“ Männern, die doch bitteschön mal lieber ihr Land verteidigen sollen. Das ganze von den „Helden“, die mit der Flasche Bier in der Hand gemütlich auf ihrer sicheren Couch zu Hause sitzen, die gleichen „Helden“, die auf Facebook jedem, der es hören möchte oder meistens besser nicht, verkünden, daß sie sich NIE gegen Corona impfen lassen werden, aus Angst vor (nicht vorhandenen!!!) „Langzeitfolgen“! Und aus Angst, daß doch geplant ist, daß man nach der Impfung im September 2021 einfach mal so tot umfällt! Ach, und nicht zu vergessen, das ständige Jammern über „einen Lappen im Gesicht“, unter dem man erstickt! Ich stelle mir diese heldischen Jungs jetzt gerade beim Sturm auf die Taliban vor…..! Und schäme mich fremd! 

Wohlgemerkt, dies ist kein politisches Statement, es ist ganz schlicht und einfach nur ein humanistisches, denn das ist angesichts der Lage in Afghanistan jetzt das einzig wichtige: Humanismus! Und die Ächtung aller kriegerischen Handlungen, egal, welcher Couleur, Religion, Weltanschauung, Krieg dient nur den Kriegsgewinnlern, es gab zu meinen Zeiten in meiner Bauernhofarbeitsstelle einen Film von Ralph Giordano mit dem Titel „Der Krieg ist nicht humanisierbar“. Er vernichtet Menschenleben, physisch wie psychisch, er nimmt Väter, Söhne, Töchter, Mütter, Geschwister und Freunde. Und ich frage mich angesichts solcher verheerenden Kommentare wie oben beschrieben: Würdet ihr eure Menschen, eure Söhne und Töchter, wieder opfern wollen??? Warum sollen es dann afghanische Eltern tun??? 

„Es ist an der Zeit“ singt Hannes Wader in seinem Lied 

und ja, das ist es, es ist hohe Zeit! Hohe Zeit,  dem Populismus die Stirn zu bieten, dem Haß, dem Geifer, dem kalten Egoismus Einhalt zu gebieten! Das geht ganz ohne Gewehr und Munition, einfach nur mit der Kraft der Liebe, wie bewiesen 1989 bei der friedlichen Wiedervereinigung, nur mit Kerzen und Gebeten. 

Und mit dem innigsten Bekenntnis zum Frieden von Reinhard Mey in seinem Lied „Nein, meine Söhne geb ich nicht“ in der neuen Fassung von 2020 „Reinhard Mey & Freunde“ 

das als Benefizaktion zur Unterstützung der Arbeit von Friedensdorf International entstand, und der Ursprungsfassung aus dem Jahre 1986

schließen wir nun unseren Eintrag und wünschen euch allen einen friedvollen Freitag.  

Euer Redaktionsteam vom Grafschafter Wochenanzeiger mit Mimi in heaven, Otto und Luzia. 

Türchen 11

  

MiBuRo  A d v e n t s k a l e n d e r

Türchen 

  

Weihnachten

Liebeläutend zieht durch Kerzenhelle,
mild, wie Wälderduft, die Weihnachtszeit.
Und ein schlichtes Glück streut auf die Schwelle
schöne Blumen der Vergangenheit.

Hand schmiegt sich an Hand im engen Kreise,
und das alte Lied von Gott und Christ
bebt durch Seelen und verkündet leise,
daß die kleinste Welt die größte ist.

(Joachim Ringelnatz)

Eine Kerze ist ein Leuchtmittel aus WachsStearinParaffinTalg oder Walrat mit einem Docht in der Mitte, das mit offener Flamme brennend Licht und Wärme gibt.

(Quelle: Wikipedia)

https://de.wikipedia.org/wiki/Kerze

Wie profan! Was Kerzenlicht wirklich bedeutet, erzählt diese kleine Geschichte:

Vier Kerzen

Am Adventskranz brannten vier Kerzen. Draußen lag Schnee und es war ganz still. So still, dass man hören konnte, wie die Kerzen miteinander zu reden begannen.

Die erste Kerze seufzte und sagte: „Ich heiße FRIEDEN. Mein Licht gibt Sicherheit, doch auf der Welt gibt es so viele Kriege. Die Menschen wollen mich nicht.“ Ihr Licht wurde kleiner und kleiner und verglomm schließlich ganz.

Die zweite Kerze flackerte und sagte: „Ich heiße GLAUBEN. Aber ich fühle mich überflüssig. Die Menschen glauben an gar nichts mehr. Was macht es für einen Sinn, ob ich brenne oder nicht?“ Ein Luftzug wehte durch den Raum, und die zweite Kerze verlosch.

Leise und sehr zaghaft meldete sich nun die dritte Kerze zu Wort: „Ich heiße LIEBE. Mir fehlt die Kraft weiter zu brennen; Egoismus beherrscht die Welt. Die Menschen sehen nur sich selbst, und sie sind nicht bereit, einander glücklich zu machen.“ Und mit einem letzten Aufflackern war auch dieses Licht ausgelöscht.

Da kam ein Kind ins Zimmer. Erstaunt schaute es die Kerzen an und sagte: „Warum brennt ihr nicht? Ihr sollt doch brennen und nicht aus sein.“ Betrübt ließ es den Blick über die drei verloschenen Kerzen schweifen.

Da meldete sich die vierte Kerze zu Wort. Sie sagte: „Sei nicht traurig, mein Kind. So lange ich brenne, können wir auch die anderen Kerzen immer wieder anzünden. Ich heiße HOFFNUNG.“

Mit einem kleinen Stück Holz nahm das Kind Licht von dieser Kerze und erweckte Frieden, Glauben und die Liebe wieder zu Leben. 

                         

(Verfasser: unbekannt)

Ich liebe diese kleine Geschichte der vier Kerzen, deshalb hab ich sie nochmal eingestellt auch im diesjährigen Adventskalender hier im Blögchen. Es ist so eine tröstliche Geschichte, daß das Licht im Dunklen dieser Welt nicht verlöscht, solange die letzte, verbliebene Kerze, die Hoffnung, noch brennt.

Wer die Geschichte mit musikalischer Begleitung lesen möchte, kann das hier tun:

Zünden wir Kerzen an, machen wir Licht, vertreiben wir das Dunkle in der Welt, entzünden wir die Lichter der Kerzen und entzünden wir uns an ihnen, entzünden wir unsere Herzen an Frieden, Glaube, Liebe und Hoffnung. Tragen wir sie in die Welt!

 

          

  

(Bild: © Britta-Gudrun N.)

 

Wir beide,  meine Mimi, euer Co-Autor, und ich wünschen euch allen einen kerzenerhellten und lichten Dienstag!

Habts fein! 

Türchen 21

  

MiBuRo  A d v e n t s k a l e n d e r

Türchen 

Weihnachten

Liederklänge, Lichtgefunkel,
Frühling in der Winternacht,
warum nicht in jedes Dunkel
bahnt Ihr Euren Weg mit Macht?
Warum wollt Ihr nur der Reichen,
der Gesunden Freude sein?
Warum fällt nicht auf des bleichen
Elends Antlitz Euer Schein? –
Erbarmt Euch der niedern, unfreundlichen Fenster
und bannet die kauernden, finstern Gespenster
hinweg von den Stufen!
Erbarmt Euch der Armen, der Kranken, der Bösen,
durch Liebe und Freude die Welt zu erlösen,
seid Ihr ja berufen! –

Oder galt des heut‘ Gebor’nen
Liebe denen nicht zumeist,
die der Hochmuth die Verlor’nen
heute so wie damals heißt? –
Die mühselig und beladen,
lud er liebend zu sich ein,
keiner schien ihm seiner Gnaden
zu gering und zu gemein! –
Weh‘, wenn Ihr, die noch seinen Namen Ihr führet,
vom Geist seiner suchenden Liebe nichts spüret
tiefinnen im Herzen!
Die Lieder verklingen, bald seid Ihr im Dunkeln
und tastet und tastet – doch nimmermehr funkeln
Euch Augen und Kerzen! –

Aber nicht in weiten, hellen
Sälen gebt der Noth ein Fest!
Ueberschreitet ihre Schwellen,
sucht sie, die sich finden läßt!
Nicht mit edlen Gönnermienen
sollt Ihr auf die Armen seh’n:
Eure Brüder ehrt in ihnen,
wenn sie auch in Lumpen geh’n. –
Schaut muthig hinein in die dunkelsten Gründe
und zittert nicht, wenn Euch die Blicke der Sünde,
der zischenden, trafen:
In Jenen erweckte die Noth die Dämonen,
die heimlich in jeglicher Menschenbrust wohnen,
– die Eurigen schlafen. –

Wehe! wer da schilt und tadelt!
Aber selig, wer da liebt!
Liebe sühnt und Liebe adelt
den, der nimmt, und den, der gibt!
Liebe kann nicht ruh’n noch rasten,
Liebe überbrückt und eint,
bis sich finden, die sich haßten,
und zum Freunde wird der Feind! –
Sie läßt auch das Wort, das die Engel gesungen,
das durch die Jahrhunderte mahnend gedrungen,
einst Wirklichkeit werden:
Wenn keiner mehr hungert und keiner mehr weinet
in Angst und Verzweiflung, dann endlich erscheinet
der Frieden auf Erden! – –

(Wilhelm Langewiesche)

Traditionsgemäß ist das Türchen 21 das besinnliche Türchen. Was dann schon im Gedicht seinen Ausdruck nimmt.

Am letzten Sonntag ist in unserer Kirche wieder das Friedenslicht aus Bethlehem eingetroffen, dieses Jahr hab ich es mir aus Krankheitsgründen nicht holen können, all die Jahre vorher hab ich es mir mit meinem kleinen Handlaternchen nach Hause gebracht, manchmal durch Sturm und Regen, ich mach dann immer bewußt beim Eintritt ins Haus kein Licht an und gehe mit dem Laternchen im dunklen nach oben und auch im dunklen in die Wohnung, wo ich es dann als erstes in der Küche auf den Tisch stelle

Jedes Jahr berührte es mich wieder, wie Mimi das kleine Licht anstaunt und mir dann auf Schritt und Tritt folgte, wenn ich es durch die ganze Wohnung trug.

Das kleine Friedenslicht – wir sehnen uns alle so nach Frieden! Und dabei brennt es an allen Ecken und Enden der Erde! Wie heißt es, wieder einmal bei Reinhard Mey in einem Lied? „Im Namen der Barmherzigkeit schlagen sie sich noch immer breit, das Mittelalter geht nicht vorbei. Und unser Traum von Toleranz und Gewaltlosigkeit starb ganz leis‘ in den großen Keilerein.“ (Aus „Mein guter alter Balthasar, Reinhard Mey)

„Wir alle seins Brüder, wir alle seins eins.“ Auch aus einem Lied von Reinhard Mey.

Doch weit gefehlt! Das große Thema unserer Zeit ist jetzt die „Islamisierung des christlichen Abendlandes“, lieber Himmel, wenn es nicht so traurig wäre, könnte man herzlich darüber lachen. Wie war das denn in viel früheren Zeiten mit der Christianisierung anderer angeblich „heidnischer“ Länder? Diese plakativen Äußerungen wollen doch nur verschleiern, was wirklich hinter solchen angeblichen Aktionen steckt: Machtgier, Ausbeutung, Versklavung, Profitgier! Dafür werden Menschen gegeneinander aufgehetzt, schafft man ihnen ein Feinbild über die Religion, sorgt man für die prompte Lieferung von Sündenböcken für Armut und Elend, die eben diese Ausbeuter erst geschaffen haben, um sich immer reicher und mächtiger zu machen.

Keine Religion, kein Gott, verlangt das Töten zu seinem Tribut, das tun nur Menschen! Nicht die Religionen sind schlecht oder gut, nur die Menschen! Keine Religion verlangt, sich als die bessere und über die anderen erhabenere zu fühlen, das verlangen nur die Menschen, die Religionen zu ihrem Zwecke umdeuten, verdrehen, falsch übersetzen oder Gebote in ihrem Sinne auslegen!

Wir haben nur ein Gebot, nur eines, das uns alle einen soll und es auch könnte:

„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“

Im Original:

„Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft. Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden.“

Der Satz stammt im übrigen aus der Tora, Jesus legte ihn des weiteren noch aus, in dem er noch hinzufügte „tut gutes denen, die euch hassen“.

Laßt uns also weiter machen über den Geist der Weihnacht hinaus, hinein in das kommende neue Jahr, laßt uns nicht müde werden, kleine Lichter zu sein, Wegbegleiter, in unserem Umfeld kleine Kreise ziehen, die vielleicht, wie wenn ein Stein ins Wasser geworfen wird, größere Kreise ziehen. Lassen wir uns nicht einreden, wir müßten Kriege führen in wessen Namen und Auftrag auch immer, wir haben nur einen Feind, und der ist nicht menschlich, das ist die Not und die Ungerechtigkeit, die Armut und die Unwissenheit der Welt. Ihr kennt sicher alle „Ein Weihnachtslied in Prosa“ von Charles Dickens, da wird es so gut beschrieben im Geist der zweiten Weihnacht:

Aus den Falten seines Umhanges holte er zwei Kinder hervor; erbärmliche, niedergeschlagene, entsetzliche, häßliche, elende Wesen. Sie knieten zu seinen Füßen und klammerten sich außen an sein Gewand. „Oh, Mensch, sie her! Sieh hier herab!“ rief der Geist.  Es waren ein Junge und ein Mädchen. Gelb, mager, zerlumpt, finster und wild, doch auch unterwürfig in ihrer Demut. Wo die Anmut der Jugend ihre Gestalten hätte formen und ihnen einen Anflug von Frische verleihen sollen, da hatte eine abgearbeitete, runzlige Hand, wie die des Alters, sie gezwickt, gezerrt und in Stücke gerissen. Wo Engel hätten thronen können, lagen Teufel auf der Lauer und warfen drohende Blicke um sich. Keine Verwandlung, keine Entartung, keine noch so große Umkehrung der menschlichen Natur unter allen Geheimnissen der wunderbaren Schöpfung hat halb so furchtbare und schreckliche Ungeheuer hervorgebracht. Scrooge fuhr entsetzt zurück. Nachdem sie ihm in dieser Weise gezeigt worden waren, versuchte er zu sagen, sie wären hübsche Kinder, aber die Worte würgten sich lieber selbst ab, als daß sie an einer derart groben Lüge Anteil hätten. „Geist, sind das deine?“ Mehr konnte Scrooge nicht sagen. „Es sind die Kinder der Menschen“, sagte der Geist, auf sie herabblickend. „Sie klammern sich an mich und flehen ihre Väter um Hilfe an. Dieser Junge heißt „Unwissenheit“. Dieses Mädchen heißt „Not“. Hüte dich vor beiden und ihresgleichen, doch am meisten nimm dich vor dem Jungen in acht, denn auf seiner Stirne steht „Jüngstes Gericht“, wenn die Schrift nicht gestrichen wird. Leugne es!“ rief der Geist und streckte die Hand zur Stadt hin aus. „Schmäh nur die, welche es dir sagen! Verwende es für deine Parteizwecke und mach es noch schlimmer. Und warte das Ende ab!“(Charles Dickens, Ein Weihnachtslied in Prosa)

Ich wünsche euch allen den Geist der Weihnacht, den wirklichen, echten, der sich nicht im Konsum erschöpft, aber sich freut an allem, was Weihnachten zu bieten hat, am Lichterglanz, am Duft der Weihnachtsmärkte, an all den schönen Liedern, an wunderbar stillen Nächten, und was jedem von euch noch dazu einfällt, denn nur frohe, zuversichtliche Menschen können den Mächten der Finsternis des Geistes gegenübertreten, nur Liebe und warme Nächstenliebe kann die Dunkelheit überwinden, und darum brauchen wir Weihnachten.

Liebeläutend zieht durch Kerzenhelle,
mild, wie Wälderduft, die Weihnachtszeit.
Und ein schlichtes Glück streut auf die Schwelle
schöne Blumen der Vergangenheit.
Hand schmiegt sich an Hand im engen Kreise,
und das alte Lied von Gott und Christ
bebt durch Seelen und verkündet leise,
dass die kleinste Welt die größte ist.

(Joachim Ringelnatz)

Heute ist meine letzte Frühschicht in der Kirche in dieser Weihnachtszeit, auch da werden wieder Kerzen leuchten.

Habt alle einen schönen Donnerstag! 

Türchen 21

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MiBuRo  A d v e n t s k a l e n d e r

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Das andere Weihnachtslied

Jetzt geht ein Wandrer wohl im weißen Schnee –
singt ihr und übersingt die ganze Welt,
ihr Kinder singt und übersingt das Weh
der ganzen Welt.

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Es bleibt so vieles heut noch unerfüllt,
es ist wohl Weisheit not,
daß sie den Becher aller Armut füllt,
daß sie die Nacktheit der Enttäuschung hüllt –
Weisheit ist not.

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Der Suchenden und Sorgenden sind viel
auch diese süße Nacht.
So singt das süße Lied vom letzten Ziel,
so singt vom Stern, der aus dem Himmel fiel, –
singt von der Tür, die aufgemacht,
die aller Heimkehr, Armut, Inbrunst offen steht,
das weise Lied, ihr Frohen singt:
Dem Wandernden, der einsam geht
im weißen Schnee; dem Weinen, das verweht
aus vielen Munden. Über die Welt hin singt,
bis alle Welt weiß, dass ein Hauch hergeht,
der hinter Sternen fernher Gott vom Munde dringt.

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(Karl Röttger)

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Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde.  Und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr.  Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird;  denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.  Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.  Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:

Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen, die guten Willens sind. 

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Das Türchen 21 war in jedem Jahr des Adventskalenders hier das besinnliche Türchen.

Und in diesem Jahr wird es beherrscht von den furchtbaren Ereignissen auf dem Berliner Weihnachtsmarkt. Die uns jäh aus der Weihnachtsfreude gerissen haben und uns tief verstört und trauernd zurücklassen. Was bleibt? Die frohe Botschaft der Engel an die Hirten angesichts dieser Grausamkeiten?

Ja! Sie brachten den Hirten stellvertretend für alle Menschen auf Erden die Botschaft der Liebe zur Überwindung des Hasses, die Botschaft der Freude zur Überwindung der Trauer. Die Botschaft des Friedens, der das Böse überwindet. Und die Botschaft, daß diese Worte allen Menschen gelten, ohne Ausnahme!

Frieden? In diesen Tagen? Und bereits hier auf der Erde, unter den Menschen?

Es fällt schwer, daran zu glauben! Dieses Bild hab ich euch 2014 im Adventskalender gezeigt, es ist das Friedenslicht aus Bethlehem, das jedes Jahr zur Weihnachtszeit von den Pfadfindern in alle Kirchen gebracht und vor dort in einem Gottesdienst an die Menschen weitergegeben wird. Und von diesen brennend nach Hause getragen wird.

Und so erlaube ich mir in dem diesjährigen Türchen 21 aus aktuellem Anlaß eine Wiederholung, ich setze euch noch einmal den Text ein, den ich damals zum Friedenslicht geschrieben habe:

„Kann ein kleines, unscheinbares Licht Frieden in die Welt bringen?
Ja, es kann! Wenn es weitergegeben wird von Hand zu Hand, und damit andere Kerzen entzündet werden, strahlt sein Licht immer heller!
Licht, das man teilt, wird mehr!
Es bewirkt, daß sich die Menschen näher kommen müssen, um ihr Licht am anderen zu entzünden, es macht nicht nur das äußere Dunkel, es macht die Herzen hell! Es strahlt Wärme aus, die die Menschen erreicht, es leuchtet aus den Augen der Menschen, die es still betrachten!
Es führt die Menschen zueinander, aus dem Dunkel in das Licht!
Es ist ein ganz winziger, kleiner, erster Schritt auf dem Weg zum Frieden!
Weil es mit seiner Wärme und mit seinem Glanz Kälte taut und „strahlen“ läßt! Wo Menschen Kerzen in die Hand nehmen, haben sie keine Hand mehr frei für eine Waffe! Das Licht muß geschützt werden, damit sind beide Hände beschäftigt, mit dem Halten und dem Schützen!“

Soweit der damalige Text.

Das Motto der diesjährigen Friedenslicht-Aktion lautet:

„Frieden: Gefällt mir – ein Netz verbindet alle Menschen guten Willens“.

Frieden beginnt in den Herzen der Menschen, nirgendwo anders. Und es ist nur wichtig, daß wir ihn haben und versuchen, ihn weiterzugeben, wir werden nicht die ganze Welt retten können, aber in unsere kleinen Welten neben uns und in unseren „Kreisen und Netzen“ können wir sie ein wenig heller machen, wenn wir guten Willens sind.

Seien wir Licht und bringen wir Frieden in unsere Familien, unseren Freundes- und Bekanntenkreis. Damit ist schon viel getan.

Denn:

 „Wir können es vielleicht nicht verhindern, dass diese Schöpfung eine Welt ist, in der Kinder gemartert werden. aber wir können die Zahl der gemarterten Kinder verringern. Und wenn Sie uns dabei nicht helfen, wer sollte uns dann helfen?“ (Albert Camus)

Das war und ist der Leitsatz meiner damaligen Arbeitsstelle, die sich um Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten kümmert.

Alles beginnt im Kleinen!

Angesichts der Ereignisse mag es befremden, aber ich möchte trotzdem gerade mit diesem Weihnachtslied den Eintrag zum heutigen Türchen beenden:

Ich wünsche euch allen einen guten Mittwoch, bleibt behütet!

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Friedensgebet

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Unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall.
An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen,
dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden,
nicht von Hunger und Furcht gequält,
nicht zerrissen in sinnlose Trennung
nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung.

Gib uns  Mut und  Voraussicht,
schon heute mit diesem Werk zu beginnen,
damit unsere Kinder und Kindeskinder
einst stolz den Namen Mensch tragen.   Amen.

(Gebet der Vereinten Nationen, Verfasser: Stephen Vincent Benét)

Wir beteten es in jeder Frühschicht der Fastenzeit in meiner Kirche, so auch am letzten Donnerstag in der letzten Frühschicht. Nicht ahnend, wie aktuell es nicht einmal eine Woche danach wieder einmal werden würde!

Im Gedenken und stiller Anteilnahme für die Opfer des feigen Anschlages in Brüssel am 22. März 2016.

Einen Tag zuvor hatte ich mir so einen wunderschönen Tulpentopf mit vielen Knospen für die kommenden Ostertage geholt, er soll nun hier ein bissel Licht und Farbe in die dunklen Tage bringen und ein Zeichen der Hoffnung sein.

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Damit es Frieden in der Welt gibt,
müssen die Völker in Frieden leben.

Damit es Frieden zwischen den Völkern gibt,
dürfen sich die Städte nicht gegeneinander erheben.

Damit es Frieden in den Städten gibt,
müssen sich die Nachbarn verstehen.

Damit es Frieden zwischen Nachbarn gibt,
muß im eigenen Haus Frieden herrschen.

Damit im Haus Frieden herrscht,
muß man ihn im eigenen Herzen finden.

(Laotse)

„Welche Art von Frieden suchen wir? Ich spreche vom aufrichtigen Frieden. Vom Frieden, der dem Leben auf der Erde einen Wert gibt. Nicht nur Frieden in unserer Zeit, sondern Frieden für alle Zeit. Unsere Probleme sind von Menschen gemacht und können von Menschen gelöst werden. Denn letzten Endes ist unsere tiefe Gemeinsamkeit, daß wir alle diesen kleinen Planeten bewohnen. Wir alle atmen die selbe Luft, wir alle hoffen für die Zukunft unserer Kinder und wir alle sind sterblich.“

(Ansprache von John F. Kennedy 1963, American University)

Habt einen guten und friedlichen Donnerstag. Foto6799

Türchen 21

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MiBuRo A d v e n t s k a l e n d e r

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Weihnachtabend

Die fremde Stadt durchschritt ich sorgenvoll,
der Kinder denkend, die ich ließ zu Haus.
Weihnachten war’s; durch alle Gassen scholl
der Kinderjubel und des Markts Gebraus.

Und wie der Menschenstrom mich fortgespült,
drang mir ein heiser Stimmlein in das Ohr:
„Kauft, lieber Herr!“ Ein magres Händchen hielt
feilbietend mir ein ärmlich Spielzeug vor.

Ich schrak empor, und beim Laternenschein
sah ich ein bleiches Kinderangesicht;
wes Alters und Geschlechts es mochte sein,
erkannt ich im Vorübertreiben nicht.

Nur von dem Treppenstein, darauf es saß,
noch immer hört ich, mühsam, wie es schien:
„Kauft, lieber Herr!“ den Ruf ohn Unterlaß;
doch hat wohl keiner ihm Gehör verliehn.

Und ich? – War’s Ungeschick, war es die Scham,
am Weg zu handeln mit dem Bettelkind?
Eh meine Hand zu meiner Börse kam,
verscholl das Stimmlein hinter mir im Wind.

Doch als ich endlich war mit mir allein,
erfaßte mich die Angst im Herzen so,
als säß mein eigen Kind auf jenem Stein
und schrie nach Brot, indessen ich entfloh.

(Theodor Storm)

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(Kinder als Baumverkäufer auf dem Weihnachtsmarkt, 1904, Heinrich Zille)

Das dritte Jahr führe ich nun diesen Adventskalender hier, und traditionsgemäß ist Türchen 21 ein besinnlicher Eintrag!

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Gestern kam das Friedenslicht aus Betlehem in unserer Kirche an und wurde in einem Gottesdienst an die Gemeinde weitergegeben, ich hab es mir mit meinem obigen kleinen Laternchen geholt und angezündet nach Hause getragen.

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Das Motto des diesjährigen Friedenslichtes heißt

„Friede sei mit dir – shalom – salam“

Kann ein kleines, unscheinbares Licht Frieden in die Welt bringen?
Ja, es kann! Wenn es weitergegeben wird von Hand zu Hand, und damit andere Kerzen entzündet werden, strahlt sein Licht immer heller!
Licht, das man teilt, wird mehr!
Es bewirkt, daß sich die Menschen näher kommen müssen, um ihr Licht am anderen zu entzünden, es macht nicht nur das äußere Dunkel, es macht die Herzen hell! Es strahlt Wärme aus, die die Menschen erreicht, es leuchtet aus den Augen der Menschen, die es still betrachten!
Es führt die Menschen zueinander, aus dem Dunkel in das Licht!
Es ist ein ganz winziger, kleiner, erster Schritt auf dem Weg zum Frieden!
Weil es mit seiner Wärme und mit seinem Glanz Kälte taut und „strahlen“ läßt!
Unzählige Lichterketten, die in vergangenen Zeiten gebildet worden sind, beweisen das, die Lichter der „Montagsdemonstrationen“ in der ehemaligen DDR haben einen friedlichen, gewaltfreien Umbruch und Neuanfang ermöglicht!
Wo Menschen Kerzen in die Hand nehmen, haben sie keine Hand mehr frei für eine Waffe! Das Licht muß geschützt werden, damit sind beide Hände beschäftigt, mit dem Halten und dem Schützen!

Bei den gestrigen so vergnügten und fröhlichen Bildern der Weihnachtsmärkte aus vergangenen Zeiten ist mir etwas aufgefallen:
Es gab auch andere! Bilder, wie das ganz oben unter dem Gedicht eingestellte Bild von Zille! Bilder von den ausgegrenzten von dieser Fröhlichkeit, den Armen, denen, die nicht teilhaben konnten. Die sich, wie im Gedicht von Storm, ihren kärglichen Lebensunterhalt eben auch auf diesen Weihnachtsmärkten verdienten, mit dem Verkauf von ärmlichem Spielzeug oder anderen Dingen!
Die sich ein Vergnügen nicht leisten konnten!

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(Was erwarten wir? Ernst Fröhlich, 1877)

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(Heinrich Zille)

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(Berlin N.O. „Nee, Freilein, forn Sechser kannste bei mir nich loofen, der Schport kost´immer noch´n Jroschen!“ „Na, ick habe doch man aber bloß een Schlittschuh“, Heinrich Zille)

Foto4430
(Heinrich Zille)

Laßt uns nicht müde werden, Licht in die Welt zu bringen, in den Schatten; Mißstände, Ungerechtigkeiten und Benachteiligungen „auszuleuchten“ und aufzuzeigen! Denn nur eine gerechte Welt kann auch eine friedliche Welt werden!

Wir haben im Gottesdienst ein sehr schönes Lied gesungen, mit diesem Lied möchte ich den Eintrag hier nun schließen!
Die Melodie hab ich nur auf der Orgel instrumental gefunden, den Text darf ich aus urheberrechtlichen Gründen hier nicht veröffentlichen, das ist sehr schade, er wäre so passend gewesen!
Er steht im „Halleluja-Heft“, falls einer von euch dazu Zugang hat, kann er ihn nachlesen!

Ich wünsche euch Frieden und Licht und einen schönen 4. Adventssonntag!

:wave:

Türchen 13

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MiBuRo A d v e n t s k a l e n d e r

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Sankta Lucia

Natten går tunga fjät runt gård och stuva.
Kring jord som sol förlät, skuggorna ruva.
Då i vårt mörka hus, stiger med tända ljus,
Sankta Lucia, Sankta Lucia.

Natten var stor och stum. Nu hör, det svingar,
i alla tysta rum, sus som av vingar.
Se på vår tröskel står vitkläd, med ljus i hår,
Sankta Lucia, Sankta Lucia.

„Mörkret skall flykta snart ur jordens dalar.“
Så hon ett underbart ord till oss talar.
Dagen skall åter gry, stiga ur rosig sky,
Sankta Lucia, Sankta Lucia.

(schwed. trad.)

Schwer liegt die Finsternis auf unseren Gassen,
lang hat das Sonnenlicht uns schon verlassen.
Kerzenglanz strömt durchs Haus. Sie treibt das Dunkel aus:
Santa Lucia! Santa Lucia! Santa Lucia!

Groß war die Nacht und stumm. Hörst du’s nun singen?
Wer rauscht ums Haus herum auf leisen Schwingen?
Schau, sie ist wunderbar, schneeweiß mit Licht im Haar:
Santa Lucia! Santa Lucia!

Nacht zieht den Schleier fort, wach wird die Erde,
damit das Zauberwort zuteil uns werde.
Nun steigt der Tag empor, rot aus dem Himmelstor:
Santa Lucia! Santa Lucia!

(deutsche Übersetzung)

Die Heilie Lucia stammte aus Syracus auf Sizilien. Lucia (von Lux = Licht), die Leuchtende, zog die Liebe zu Christus der Liebe zu einem Jüngling vor und erlitt dafür den Martertod. Sie wurde enthauptet.

Das Luciafest ist ein auf ein Heiligenfest zurückzuführender Brauch, der vor allem in Schweden verbreitet ist. Das Fest fällt auf den 13. Dezember, der in den christlichen Kirchen der Gedenktag der heiligen Lucia ist und vor der Gregorianischen Kalenderreform der kürzeste Tag des Jahres war.
Da der 13. Dezember in Schweden bis 1752 auf die Wintersonnenwende fiel, steht das Luciafest letztlich in der Tradition älterer Sonnenwendfeierlichkeiten. Auf welchen Wegen aus diesen Feierlichkeiten das heutige Luciafest entstand, ist jedoch schwer zu rekonstruieren.
Eine besondere schwedische Ausprägung des Festes lässt sich frühestens für das Mittelalter nachweisen.

(Quelle: Wikipedia)

Santa Lucia, das Lichterfest!
Laßt euch von dem eingestellten Video einfangen von einem wunderschönen Brauch!
In diesen so früh dunkel werdenden Tagen ist er ein Zeichen der Hoffnung auf das Wiederkehren des Lichts.

Und dieses kleine Video

ist meine Überleitung zu meinem ganz persönlichen Lichterfest, meinen Frühschichten in der Adventszeit hier in unserer Kirche.

Auch uns begrüßt bei den Frühschichten in der Kirche der Adventskranz über dem Altar mit den brennenden Kerzen, auf dem Altar stehen ebenfalls 3 große Kerzen, sonst ist die Kirche dunkel!
Bei der Frühschicht am letzten Donnerstag standen auf dem Altar noch viele, unangezündete kleine Kerzen

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und zum Ende der Andacht überreichte uns unser Pastor die Karte mit dem Wort „Frieden“ in vielen Sprachen.
Im Laufe der Andacht wurden die Kerzen am Altar eine nach der anderen angezündet, und mit den brennenden Kerzen in den Händen gingen wir zu unseren Plätzen zurück. Es war ein wunderschönes Bild, die brennenden Kerzen im Rund, zum Singen der Lieder und einsehen in den Text stellten wir die Kerzen auf den Boden, auch das sah wunderschön aus.

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Das Thema der vergangenen Frühschicht war „Ich wünsche dir den Frieden“, danach wurde auch das Liedgut ausgesucht:

Wo Menschen sich vergessen:

Wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen
und neu beginnen, ganz neu,
da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns,
da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns.

Wo Menschen sich verschenken, die Liebe bedenken
und neu beginnen, ganz neu,
da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns,
da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns.

Wo Menschen sich verbünden, den Hass überwinden
und neu beginnen, ganz neu,
da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns,
da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns.

Text: Thomas Laubach
Melodie: Christoph Lehmann

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Ein Gebet möchte ich euch noch einstellen, das ich so passend und schön fand!

Herr, gib uns Augen,
die den Nachbarn sehn,
Ohren, die ihn hören
und ihn auch verstehn!
Hände, die es lernen,
wie man hilft und heilt,
Füße, die nicht zögern,
wenn die Hilfe eilt.
Herzen, die sich freuen,
wenn ein anderer lacht,
einen Mund, zu reden,
was ihn glücklich macht.
Dank für alle Gaben,
hilf uns wachsam sein!
Zeig uns, Herr,
wir haben nichts für uns allein.

(Gebet aus Neuseeland)

Nach einem Segen von unserem Pastor bekamen wir die hübschen Kerzen mit nach Hause, als Zeichen, ein Lichtträger zu sein, Licht ins Dunkle zu bringen!
Damit habe ich nun hier den Bogen geschlagen vom Lucia-Fest zu unseren Frühschichten und wieder zurück. Der Kreis schließt sich!

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Ich wünsche euch allen einen wunderschönen Lucia-Tag, möge euch allen ein Licht leuchten in dunklen Tagen und wir alle nicht vergessen, daß wir ein Licht für andere sein können, die es nötig haben!

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:wave:

Neujahr 2013

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Silvesternacht

Und nun, wenn alle Uhren schlagen,
so haben wir uns was zu sagen,
was feierlich und hoffnungsvoll
die ernste Stunde weihen soll.

Zuerst ein Prosit in der Runde!
Ein helles, und aus frohem Munde!
Ward nicht erreicht ein jedes Ziel,
wir leben doch, und das ist viel.

Noch einen Blick dem alten Jahre,
dann legt es auf die Totenbahre!
Ein neues grünt im vollen Saft!
Ihm gelte unsre ganze Kraft!

Wir fragen nicht: Was wird es bringen?
Viel lieber wollen wir es zwingen,
daß es mit uns nach vorne treibt,
nicht rückwärts geht, nicht stehen bleibt.

Nicht schwächlich, was sie bringt, zu tragen,
die Zeit zu lenken, laßt uns wagen!
Dann hat es weiter nicht Gefahr.
In diesem Sinne: Prost Neujahr!

(Ludwig Thoma)

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In der Neujahrsnacht

Die Kirchturmglocke
schlägt zwölfmal Bumm.
Das alte Jahr ist wieder mal um.
Die Menschen können sich in den Gassen
vor lauter Übermut gar nicht mehr fassen.
Sie singen und springen umher wie die Flöhe
und werfen die Mützen in die Höhe.
Der Schornsteinfegergeselle Schwerzlich
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küßt Konditor Krause recht herzlich.
Der alte Gendarm brummt heute sogar
ein freundliches: Prosit zum neuen Jahr.

(Joachim Ringelnatz)

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Simples Neujahrslied

Vorüber ist das alte Jahr,
ich wünsche Glück zum neun!
Was euch das alte noch nicht war,
soll euch das neue sein.

Ich greife zu dem vollen Glas,
und trink es aus und sag,
ich wünsche Jedem Alles was
er selbst sich wünschen mag.

Ich wünsch euch Alles, was auch euch
befriediget und reizt,
und daß mit euern Wünschen sich
der meinen keiner kreuzt!

So treten wir ins neue Jahr
getrosten Mutes ein –
und was im alten noch nicht war,
erfülle sich im neun!

(Ludwig Eichrodt)

Ein frohes, gesundes, glückliches, friedliches und gesegnetes

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mit allen lieben Wünschen für euch alle!

(Das ist sooooo ein schönes Lied!)

Mimi darf natürlich beim ersten Eintrag des Neuen Jahres nicht fehlen:

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Wo isses, das alte Jahr?

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Gut, denn haben wir ein Neues! Hauptsache, gibt weiter Leckerlis!

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Suchbild: Wo fängt Mimi an und wo hört sie auf?

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Kann ich raus? Ich möchte das Neue Jahr begrüßen!

Kommt gut wieder in den Alltag, liebe Grüße von uns beiden!

:wave: