Die besinnlichen Tage im November

Allerseelen

Rings liegt der Tag von Allerseelen
voll Wehmut und voll Blütenduft,
und hundert bunte Lichter schwelen
vom Feld des Friedens in die Luft.

Sie senden Palmen heut und Rosen;
der Gärtner ordnet sie mit Sinn –
und kehrt zum Eck der Glaubenslosen
die alten, welken Blumen hin.

 

„Jetzt beten, Willi, – und nicht reden!“
Mit großem Aug gehorcht der Knab.
Der Vater legt den Kranz Reseden
auf seines armen Weibes Grab.

„Die Mutter schläft hier! Mach ein Kreuz nun!“
Klein Willi sieht empor und macht,
wie ihm befohlen. Ach, ihn reuts nun,
das er am Weg heraus gelacht!

Es sticht im Auge ihn – wie Weinen ..
Dann gehn sie heimwärts durch die Nacht;
ganz ernst und stumm. Da lockt den Kleinen
beim Ausgang jäh der Buden Pracht.

Es blinkt durch den Novembernebel
herüber lichtbeglänzter Tand;
er sieht dort Pferdchen, Helme, Säbel
und küßt dem Vater leis die Hand.

Und der versteht. Dann gehn sie weiter.
Der Vater sieht so traurig aus.
Doch einen Pfefferkuchenreiter
schleppt Willi selig sich nach Haus.

(Rainer Maria Rilke)

In diesem Sommer-November hatten wir hier im Blögchen noch gar keinen Eintrag für die besinnlichen Tage, Allerheiligen, Allerseelen, sowie die noch kommenden, Buß- und Bettag und der Ewigkeits- oder Totensonntag. Bei dem so gar nicht novemberlichen Wetter wollte sich wohl auch die Stimmung dazu nicht so recht einstellen. An „Trubeltagen“ wie zum Beispiel Allerheiligen gehe ich ohnehin nicht so gerne auf den Friedhof, ich bin doch lieber ein bissel mehr „allein“ mit mir und meinen Lieben, die dort ruhen.

Und so bin ich gestern, am Donnerstag, auf dem Friedhof gewesen, um mal wieder nach dem rechten zu sehen und ein Kerzchen aufzustellen. Meine Kamera hatte ich nicht dabei, ich wollte einfach mal so in Seelenruhe über den Friedhof laufen, aber ich hab noch Archivbilder vom Mai diesen Jahres. Der November präsentiert sich ja beinahe wie einst im Mai, als ich so über den Friedhof ging heute, da ging mir die Gedichtzeile von Erich Kästner aus seinem Gedicht zum Monat Mai durch den Kopf, in der er beschreibt, daß auch Glück, daß auch der Mai weh tun kann.

Der November ist von so seltener Schönheit, daß auch er schon weh tut. Die Bäume leuchteten in der tief stehenden Sonne wie Kupfer-Dächer!

Meine Archivbilder aus dem Mai vom Gräberfeld, wo meine Eltern liegen:

 Das Grab meines Vaters, der Baum dahinter, das ist der ehemalige Osterstrauß aus Korkenzieherweide, den ich dort vor Jahren mal einfach eingepflanzt habe, ist das nicht ein wunderschöner, stattlicher Baum geworden? Freu ich mich jedes Mal wieder drüber.

 Und Papas schöne Rose, die blüht in jedem Jahr so herrlich!

Das Grab mit der Zypresse ist das meiner Mama, auch die Zypresse war mal ganz klein, als ich sie eingepflanzt habe.

 Mein selbstgemachtes Grabschild bei meiner Mama, mit den Schwälbchen am oberen Rand, ihren Lieblingsvögelchen!

Ein Überblick über das Gräberfeld, rechts unten ist Mamas Grab, ganz links oben ist der Baum hinter Papas Grab.

Wie gesagt, ich hatte meine Kamera nicht dabei, und bei einem Erlebnis gestern hab ich es doch bedauert, mit ist sowas entzückendes an Papas Grab begegnet, das kann ich euch nun nur schildern: Ich hatte ein bissel welkes Laub vom Grab genommen und in den dafür vorgesehenen Behälter getan, als ich zurück kam ans Grab und meine Sachen einpacken wollte, sah ich das hier:

Ein Rotkehlchen hatte sich am Nachbargrab, ähnlich wie auf diesem Archivbild, auf eine alte Blumenschale gesetzt, es war vielleicht nur eine Armlänge von mir entfernt und guckte mich neugierig an, ich bin ganz ruhig stehen geblieben und hab es begrüßt, da hat es wirklich!!! zurück gezwitschert, und anschließend hüpfte es in die Blumenschale, in der noch ein Pfützchen Wasser stand, und badete ausgiebig darin, ungeachtet der Tatsache, daß ich ganz in der Nähe stand, es war kein bißchen scheu und genoß ungestört sein Bad! Danach wurde ich noch einmal lieb angezwitschert zum Abschied und es flog davon! Das war sooooo schön!!!

Ich bin dann ganz selig und entspannt wieder nach Hause gelaufen, unterwegs hab ich mich an das Ahornbäumchen erinnert, das ich euch 2016 von einem Friedhofsbesuch fotografisch mitgebracht hatte

mußte ich doch sofort mal gucken gehen, aber das schöne Bäumchen war schon fast ganz entlaubt, und da ich eh keine Kamera dabei hatte, hab ich Blätter gesammelt, um sie zu Hause zu fotografieren, und die Bilder kommen jetzt:

Die Blätter vom Ahornbäumchen

 und ein besinnliches Arrangement zum heutigen Eintrag.

Und mal dämmerig mit Beleuchtung

 mein Leuchte-Engel!

Das oben eingestellte Gedicht von Rilke ist mein Lieblingsgedicht zu diesen besinnlichen Novembertagen, und angesichts des Inhalts hab ich noch mal Bilder gemacht mit den schönen Blättern, angelehnt an den Schluß des Poems.

 “ Da lockt den Kleinen beim Ausgang jäh der Buden Pracht.“

 „Doch einen Pfefferkuchenreiter schleppt Willy selig sich nach Haus.“

Ja, da bin ich nun langsam am Ende des besinnlichen Teils meines Eintrags angelangt, aber ich hab noch was Schönes zu verkünden: Am Wochenende ist Mimi wieder „allein zu Haus“, denn ich bin bei Sohn und Schwiegertochter (hihihihi!!!), also bei meinen Kindern eingeladen, wir feiern zwei Geburtstage nach, die bei der diesjährigen Hochzeit ein bissel untergegangen sind, meinen und Björns, freu, freu!!!

Mimi drängelt hier gerade an den PC, was hast du denn vor, Mäuschen? Wie, geht mich nix an??! Jaja, ok, mach mal!

 Hi, all meine lieben, vierpfotigen Kumpels und Kumpelinen, wenn ihr Lust habt auf ein Treffen wie weiland zum Halloween-Tag: Ich hab am Wochenende sturmfreie Bude, mein Dosenöffner ist weg!!! Pssssttttt, aber nicht den großen zweibeinigen Katzen und Katern verraten, sonst wird das nix mit Party, lach! Bis denne, eure Mimi!

Na, bin ich ja mal gespannt, was Mimi da nun wieder ausgeheckt hat, ich darf natürlich nicht gucken, klar, aber mir schwant es, hoffentlich räumen sie hinterher wieder auf, hihihihi!

Nun wünschen wir euch allen einen schönen Freitag und ein ganz wunderschönes Wochenende, genießt es alle, bleibt oder werdet gesund und:

Habts fein!  Mimi und Monika.

Gedanken zu Allerseelen

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Allerseelen

Ernsthaft und still stieg heut der Tag herab.
Die Menschheit träumt und in umflorten Schalen
fängt sie der Sonne herbstlich blasse Strahlen
und schüttet all‘ auf ein geliebtes Grab.

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Im Daseinskampf wird kein Erinnern wach,
denn wer den Helm trägt greift nicht zum Breviere,
doch Allerseelen pocht an jede Türe,
und heut sinnt jeder seinen Toten nach.

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Auch ich und du. – Doch ob wir betend knien,
ob wir verträumt nur stille Stirnen senken,
aus bangem Gram und trauerndem Gedenken
muß uns ein Trost als goldne Frucht erblühn.

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Ein Trost, der lieblich uns entgegen lacht
und uns erzählt an schwarzem Sarkophage,
das auch der Tod nur eine lange Nacht,
die schwanger geht mit einem neuen Tage.

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(Georg Busse-Palma)

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Der zweite Tag des Novembers, Allerseelen. Nach Allerheiligen am 1. November ein weiterer Gedenktag für die Verstorbenen. Auch an diesem Tag werden die Friedhöfe besucht, die Gräber geschmückt und ein Licht für die Toten entzündet.

Ich habe die Gräber meiner Eltern schon am letzten Mittwoch auf die Gedenktage vorbereitet, und nach getaner Arbeit bin ich noch ein wenig über den Friedhof gelaufen, es war so eine wunderbar ruhige, stille Stimmung dort, das Licht war so verhangen

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ab und zu brach die Sonne durch

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wie ein Versprechen, daß jedes Ende immer einen neuen Anfang birgt!

Und jedes Vergehen

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schon den Keim des Neuen, Lebendigen trägt.

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Fallende Blätter

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lösen beim betrachten ein Gefühl von Wehmut und Abschied aus, ich ging ein wenig traurig weiter, und plötzlich leuchtete es mir entgegen

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ein Ahornbäumchen auf einem Grab, im leuchtend roten Schmuck der Herbsttage, wie brennend!

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Ich konnte mich gar nicht losreißen von diesem herrlichen Bäumchen

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jedes einzelne rote Blatt leuchtete wie eine Verheißung!

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Ich mag den November nicht, das war schon immer so, aber ich mag Friedhöfe, und mein Besuch am letzten Mittwoch, die Bilder, die ich dort machen konnte, das alles hat so eine positive Stimmung ausgelöst, daß ich es in diesem Jahr mal wagen werde: Ich werde ihm entspannt entgegensehen!

Tröstliche Lichter auf Gräbern

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herrlich bunte Bäume

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und farbenfrohe Naturdeko für kommende, adventliche Tage

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werden mir dabei helfen, und euch vielleicht und hoffentlich auch!

Und die gute Nachricht gleich am ersten Novembertag, daß nun wohl zukünftig meine geliebten Lieder von Reinhard Mey auf Youtube nicht mehr mit dem „Bedauersmilie“ belegt sein werden, hat mich zum Thema natürlich gleich suchen lassen, ich bin fündig geworden, und auch das ist so ein wunderbar positives Lied für Allerseelen, den November und die kommenden Gedenktage!

Text:

http://www.reinhard-mey.de/start/texte/alben/friedhof

Heute werde ich auf den Gräbern meiner Eltern ein Licht entzünden, als Zeichen, daß die Dunkelheit immer wieder endet, als lieben Gruß in die Ewigkeit!

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Ich wünsche euch allen einen gesegneten Allerseelen-Tag!

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Allerseelen

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Allerseelen

Rings liegt der Tag von Allerseelen
voll Wehmut und voll Blütenduft,
und hundert bunte Lichter schwelen
vom Feld des Friedens in die Luft.

Sie senden Palmen heut und Rosen;
der Gärtner ordnet sie mit Sinn –
und kehrt zum Eck der Glaubenslosen
die alten, welken Blumen hin

„Jetzt beten, Willi, – und nicht reden!“
Mit großem Aug gehorcht der Knab.
Der Vater legt den Kranz Reseden
auf seines armen Weibes Grab.

„Die Mutter schläft hier! Mach ein Kreuz nun!“
Klein Willi sieht empor und macht,
wie ihm befohlen. Ach, ihn reuts nun,
daß er am Weg heraus gelacht!

Es sticht im Auge ihn – wie Weinen …
Dann gehn sie heimwärts durch die Nacht;
ganz ernst und stumm. Da lockt den Kleinen
beim Ausgang jäh der Buden Pracht.

Es blinkt durch den Novembernebel
herüber lichtbeglänzter Tand;
er sieht dort Pferdchen, Helme, Säbel
und küßt dem Vater leis die Hand.

Und der versteht. Dann gehn sie weiter
Der Vater sieht so traurig aus. –
Doch einen Pfefferkuchenreiter
schleppt Willi selig sich nach Haus.

(Rainer Maria Rilke)

An Allerseelen wird das feierliche Gedächtnis aller Verstorbener gefeiert.
Es ist üblich, die Gräber zu schmücken, ehe der Schnee seine Decke darüber breitet, und den Toten eine Kerze als Symbol für das ewige Licht aufs Grab zu stellen.
In manchen Gegenden heißt die Allerseelen-Kerze Nebeling, manchmal steckt sie in einem roten Glasgefäß. Auf die Gräber Kerzen zu stellen, erinnert auch an die mittelalterliche Sitte, auf den Kirchhöfen des Nachts eine Kerze in einer Laterne oder einem Lichthäuschen brennen zu lassen. Diese Lichter sollten den Vorübergehenden und dem Wanderer anzeigen, welchen Ort sie passierten und gleichzeitig mahnen, ein Gebet für die Verstorbenen zu sprechen.
Früher war es üblich, am Allerseelentag noch einmal für die Verstorbenen des vergangenen Jahres ein Gedeck aufzulegen, man hat auch Speisen oder Getreide auf die Gräber gebracht, ein Speiseopfer also im christlichen Gewand.

(Quelle: Sybil Gräfin Schönfeldt, Das große Ravensburger Buch der Feste und Bräuche)

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Mit dem November beginnen nun wieder die verschiedenen Gedenktage an unsere Verstorbenen, und so möchte ich mit diesem Eintrag zu Allerseelen euch und mir Raum geben, allen zu gedenken, die uns vorausgegangen sind, Mensch oder Tier, und die wir schmerzlich vermissen.

Für einige von uns ist der Abschied noch ganz frisch, und die Trauer schwer zu tragen.
Bei anderen liegt der Abschied schon weiter zurück, und der große Schmerz hat sich gewandelt in ein stilles Erinnern.
Und doch kann an Tagen wie diesem auch bei ihnen der Schmerz und die Trauer wieder jäh hervorbrechen in der Gewißheit des großen Verlustes.

Vielleicht hilft auch hier mein geliebter Dichter Theodor Storm, der in diesem Zusammenhang vom „sicheren Land der Vergangenheit“ spricht.
In dieses Land können wir jederzeit reisen, sei es im Traum, sei es in der Erinnerung, beim Betrachten von Fotos, und dann kommen sie zu uns, die Bilder längst vergangener Tage, und unter Tränen lächelnd laden wir unsere lieben Schatten zu uns ein!

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Constanze

Längst in das sichere Land der Vergangenheit warst du geschieden;
nun, wie so viele zuvor, dämmerte wieder ein Tag.
Laut schon sangen die Schwalben; da neben mir krachte das Bettchen,
und aus dem rosigen Schlaf hob sich ein Köpfchen empor.
„Ebbe!“ so rief ich, „klein Ebbe!“ – Da kniete sie schon in den Kissen;
aber geheimnisvoll blickten die Augen mich an.
„Ebbe?“ frug sie zurück, und leis aus innerstem Herzen
klang’s wie ein Lachen herauf: „Elschen hieß ich ja sonst!
Wer doch nannte mich Elschen?“ Da plötzlich fiel es wie Schatten
über das Kindergesicht; trüb sich umflorte das Aug.
„Ja, wer nannte dich so?“ – Und zögernd kamen die Worte:
„Meine Mutter.“ Und still senkte das Köpfchen sich nun.
Lange kniete sie so. Den sterblichen Augen unfaßbar –
War sie dem Kinde genaht, die mich so lange beglückt?

(Theodor Storm)

Der Himmel sieht in diesen Tagen oft aus wie das Tor zu einer anderen Welt

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und mag die tröstende Verheißung in sich tragen, daß dieses Tor für alle offen steht und es eines Tages ein Wiedersehen gibt!

Abendstimmung

Ich wünsche euch allen den Schutz und den Segen eines Engels!

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