Grafschafter Wochenanzeiger – „Es ist an der Zeit.“

Krieg dem Kriege

Sie lagen vier Jahre im Schützengraben.
Zeit, große Zeit!
Sie froren und waren verlaust und haben
daheim eine Frau und zwei kleine Knaben,
weit, weit –!

Und keiner, der ihnen die Wahrheit sagt.
Und keiner, der aufzubegehren wagt.
Monat um Monat, Jahr um Jahr …

Und wenn mal einer auf Urlaub war,
sah er zu Haus die dicken Bäuche.
Und es fraßen dort um sich wie eine Seuche
der Tanz, die Gier, das Schiebergeschäft.
Und die Horde alldeutscher Skribenten kläfft:
„Krieg! Krieg!
Großer Sieg!
Sieg in Albanien und Sieg in Flandern!“
Und es starben die andern, die andern, die andern …

Sie sahen die Kameraden fallen.
Das war das Schicksal bei fast allen:
Verwundung, Qual wie ein Tier, und Tod.
Ein kleiner Fleck, schmutzigrot –
und man trug sie fort und scharrte sie ein.
Wer wird wohl der nächste sein?

Und ein Schrei von Millionen stieg auf zu den Sternen.
Werden die Menschen es niemals lernen?
Gibt es ein Ding, um das es sich lohnt?
Wer ist das, der da oben thront,
von oben bis unten bespickt mit Orden,
und nur immer befiehlt: Morden! Morden! –
Blut und zermalmte Knochen und Dreck …
Und dann hieß es plötzlich, das Schiff sei leck.
Der Kapitän hat den Abschied genommen
und ist etwas plötzlich von dannen geschwommen.
Ratlos stehen die Feldgrauen da.
Für wen das alles? Pro patria?

Brüder! Brüder! Schließt die Reihn!
Brüder! Das darf nicht wieder sein!
Geben sie uns den Vernichtungsfrieden,
ist das gleiche Los beschieden
unsern Söhnen und euern Enkeln.
Sollen die wieder blutrot besprenkeln
die Ackergräben, das grüne Gras?
Brüder! Pfeift den Burschen was!
Es darf und soll so nicht weitergehn.
Wir haben alle, alle gesehn,
wohin ein solcher Wahnsinn führt –

Das Feuer brannte, das sie geschürt.
Löscht es aus! Die Imperialisten,
die da drüben bei jenen nisten,
schenken uns wieder Nationalisten.
Und nach abermals zwanzig Jahren
kommen neue Kanonen gefahren. –
Das wäre kein Friede.
Das wäre Wahn.
Der alte Tanz auf dem alten Vulkan.
Du sollst nicht töten! Hat einer gesagt.
Und die Menschheit hörts, und die Menschheit klagt.
Will das niemals anders werden?
Krieg dem Kriege!
Und Friede auf Erden.

(Kurt Tucholsky, 1890 – 1935, Pseudonyme: Kaspar Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger, Ignaz Wrobel; dt. Schriftsteller, Journalist, Literatur- und Theaterkritiker der Zeitschrift „Die Schaubühne“, später umbenannt in „Die Weltbühne“, zählt zu den bedeutendsten Publizisten der Weimarer Republik)

Liebe Leser vom Grafschafter Wochenanzeiger, auch an unserer kleinen Redaktion gehen die Weltgeschehnisse nicht spurlos vorüber, und so ist es mir heute ein großes Bedürfnis, mir hier redaktionell Luft zu machen. 

Wir haben uns hier in unserer kleinen Zeitung gerade in den derzeitigen Corona-Zeiten des öfteren über mangelnde Empathie und Solidarverhalten seitens unserer lieben Mitmenschen ausgelassen, was aber nun „da draußen“ abgeht angesichts der verheerenden Entwicklung in Afghanistan nach der Machtübernahme durch die Taliban, das schlägt dem Faß den Boden aus und bedarf auch in unserer kleinen Redaktion einer Aufarbeitung. 

Ihr erinnert euch alle an meine „Bauernhofarbeitsstelle“, von der ich euch schon so viel berichtet habe

und die im Oktober 2013 einem Brand zum Opfer fiel und wie ihr ebenfalls alle wißt, gehörte diese Arbeitsstelle namens „Ponderosa“ zu einer gemeinnützigen Einrichtung, damals „Aktion Friedensdorf Oberhausen“, heute „Friedensdorf International“. 

Wen die Geschichte und die heutige Arbeit interessiert, da hätte ich zwei Links zum nachlesen:

Es begann in Vietnam

Was Wir Tun

Angesichts dieser guten Arbeit unter anderem auch in Afghanistan mußte ich nun in den letzten Tagen unter den Berichterstattungen der aktuellen Lage  in Presse, Rundfunk und Fernsehen mit Entsetzen Kommentare von wohlstandsverwahrlosten Menschen unseres Landes, mit über 70-jährigem Frieden im eigenen Land im Rücken, zur Kenntnis nehmen, die von mangelnder Empathie und Mitleidensfähigkeit nur so strotzen, die vehement ihre eigenen kleinen Pfründe „verteidigen“ und Flüchtlingsströme befürchten von jungen, „wehrfähigen“ Männern, die doch bitteschön mal lieber ihr Land verteidigen sollen. Das ganze von den „Helden“, die mit der Flasche Bier in der Hand gemütlich auf ihrer sicheren Couch zu Hause sitzen, die gleichen „Helden“, die auf Facebook jedem, der es hören möchte oder meistens besser nicht, verkünden, daß sie sich NIE gegen Corona impfen lassen werden, aus Angst vor (nicht vorhandenen!!!) „Langzeitfolgen“! Und aus Angst, daß doch geplant ist, daß man nach der Impfung im September 2021 einfach mal so tot umfällt! Ach, und nicht zu vergessen, das ständige Jammern über „einen Lappen im Gesicht“, unter dem man erstickt! Ich stelle mir diese heldischen Jungs jetzt gerade beim Sturm auf die Taliban vor…..! Und schäme mich fremd! 

Wohlgemerkt, dies ist kein politisches Statement, es ist ganz schlicht und einfach nur ein humanistisches, denn das ist angesichts der Lage in Afghanistan jetzt das einzig wichtige: Humanismus! Und die Ächtung aller kriegerischen Handlungen, egal, welcher Couleur, Religion, Weltanschauung, Krieg dient nur den Kriegsgewinnlern, es gab zu meinen Zeiten in meiner Bauernhofarbeitsstelle einen Film von Ralph Giordano mit dem Titel „Der Krieg ist nicht humanisierbar“. Er vernichtet Menschenleben, physisch wie psychisch, er nimmt Väter, Söhne, Töchter, Mütter, Geschwister und Freunde. Und ich frage mich angesichts solcher verheerenden Kommentare wie oben beschrieben: Würdet ihr eure Menschen, eure Söhne und Töchter, wieder opfern wollen??? Warum sollen es dann afghanische Eltern tun??? 

„Es ist an der Zeit“ singt Hannes Wader in seinem Lied 

und ja, das ist es, es ist hohe Zeit! Hohe Zeit,  dem Populismus die Stirn zu bieten, dem Haß, dem Geifer, dem kalten Egoismus Einhalt zu gebieten! Das geht ganz ohne Gewehr und Munition, einfach nur mit der Kraft der Liebe, wie bewiesen 1989 bei der friedlichen Wiedervereinigung, nur mit Kerzen und Gebeten. 

Und mit dem innigsten Bekenntnis zum Frieden von Reinhard Mey in seinem Lied „Nein, meine Söhne geb ich nicht“ in der neuen Fassung von 2020 „Reinhard Mey & Freunde“ 

das als Benefizaktion zur Unterstützung der Arbeit von Friedensdorf International entstand, und der Ursprungsfassung aus dem Jahre 1986

schließen wir nun unseren Eintrag und wünschen euch allen einen friedvollen Freitag.  

Euer Redaktionsteam vom Grafschafter Wochenanzeiger mit Mimi in heaven, Otto und Luzia. 

22 Gedanken zu “Grafschafter Wochenanzeiger – „Es ist an der Zeit.“

  1. Monika, du Liebe mit deinem gesamten Team.
    Sternchen kann ich dir keines geben, weil die Tatsache so unbeschreiblich traurig ist.
    Jedoch für deine Gedanken, Lieder, alles zusammen gebe ich dir tausend sternchen. Es ist so traurig. Und doch … jeder gute Gedanke zählt.
    Ziemlich sprachlose Grüße.
    Feste Umarmungen von Herz zu Herz. Segen dir und allen die du im Herzen hast.

    Gefällt 4 Personen

    • Ich danke dir so sehr für deine lieben Worte, liebe Monika-Maria, und für die Sternchen, es braucht so viele davon, um ein Zeichen zu setzen gegen die Verrohtheit dieser Welt. Ich lese seit Tagen Kommentare voller Hetze, da bin ich wirklich so dankbar, wenn jemand meine Gedanken und Gefühle teilt. Ich bin bei all den Berichten so sprachlos wie du, es ist nicht zu fassen.
      Eine ganz liebe und feste Umarmung von Herz zu Herz zu dir zurück, und ich danke dir einmal mehr für deinen Segen für mich und die Meinen, das tut mir immer so gut, und ich sende dir den meinigen für dich und alle, die du fest in deinem Herzen hast, und so haben wir beide hier einen Anfang für Frieden im Herzen gemacht. Ich hoffe immer so sehr, auch gute Worte können weite Kreise ziehen und Menschen mitnehmen.
      Ganz liebe Grüße
      Monika.

      Gefällt 2 Personen

      • Monika du Gute, danke für deine Worte. Jedes ist wahr und wirklich. Bleiben wir dran am segnen und segnen wir alle Menschen. Das was in der Welt zurzeit an Dramatik ist, macht einen wirklich sprachlos.
        Was bringt Hetze. Warum denn.
        Mir tun die alle so leid. Beten wir für Umkehr und Erkenntnisse.
        Dir und den deinen nur herrliche Erlebnisse. I
        ch umarme dich in Gedanken.
        Freundschaftlich verbindende Herzensgrüße M.M.

        Gefällt 2 Personen

        • Ja, das machen wir und das werden wir wohl auch müssen, dranbleiben am segnen, und unermüdlich weiter Liebe gegen Haß predigen! Manchmal bin ich so müde, dann mag ich das alles auch nicht mehr, aber dann denk ich wieder, wenn das jetzt die letzte Kerze ist, die ausgepustet wird, dann ist es wirklich finster, also versuchen wir weiter unser Bestes, halten wir die Kerze am brennen, beten wir für Umkehr und Einsicht! Im Kleinen fängt es an, und es zieht doch hoffentlich immer noch seine Kreise wie ein ins Wasser geworfener Stein! Daran glaub ich, immer noch, darauf hoffe ich!
          Danke dir sehr für deine lieben Wünsche, die ich auch für dich und die Deinen habe, umarme dich in Gedanken zurück und schick dir auch freundschaftlich verbundene Herzensgrüße,
          Monika.

          Gefällt 2 Personen

    • Da hast du wahrlich so recht, lieber Jürgen, es ist kaum in Worte zu fassen!
      Aber wir sollten nicht müde werden, es immer wieder zu versuchen, wir dürfen das „Feld“ (auch so ein Kriegsausdruck!) nicht den Zerstörern überlassen.
      Bei dem Wort „Feld“ fiel mir ein Buchzitat ein, aus dem Buch „Jauche und Levkojen“ von Christine Brückner, gesagt vom alten Quindt: „Wir Deutschen, und zumal wir Preußen, müssen endlich lernen, daß auch ein Kornfeld ein Feld der Ehre ist! Dafür muß man allerdings sein Leben lang arbeiten und nicht sein Leben lassen!“
      Liebe Grüße
      Monika.

      Gefällt mir

  2. Meine liebe Monika,

    meine beiden Vorschreiber haben schon gut in Worte gefasst,was ich auch denke und fühle.
    Gut,dass du mit dem Redaktionsteam hier schreibst,was wohl die Meisten von uns in den letzten Tagen sehr beschäftigt ,erschüttert und die Bilder einen nicht mehr loslassen.
    Richtig,dass ihr euch Luft gemacht habt über die ignorante und bodenlose Dummheit Vieler in de Wohlstandsgesellschaft mit wachsendem Egoismus! Ich kann nur jedes Wort von euch unterstreichen und unterschreiben!!! Manchmal fehlt es einem selbst an rechten Worten,um alles Fühlen recht auszudrücken.
    Euere segensreiche Arbeit im Friedensdorf interessiert mich sehr,und ich beschäftige mich nochmal eingehend damit.Ein totaler Gegensatz zur raumgreifenden Verblödung und Gleichgültigkeit.

    Ja,zeigen wir Solidarität und Mitgefühl mit diesem Volk,die wir privilegiert sind,nun schon fast 80 Jahre in Frieden leben zu dürfen,er ist das höchste Gut,möge es uns erhalten bleiben! Es gibt nix schlimmeres als sinnlose Kriege.
    Ich habe ja hier hautnah diese friedliche Revolution der Kerzen und des Zusammenhaltes miterleben können.Nun gelten meine Gebete dem afghanischen Volk!

    Aufrüttelnd sind noch die Musikbeiträge von Hannes Wader und Reinhard Mey.

    Hab herzlichen Dank für deinen besonderen Eintrag heute und ich wünsche euch auch einen friedvollen Freitag!

    Liebste Grüße schickt euch Brigitte.

    Gefällt 3 Personen

    • Meine liebe Brigitte,
      das mußte raus hier, ich möchte mir nicht irgendwann im Leben den Vorwurf machen müssen, nichts gesagt zu haben zu Ereignissen, die Menschen in den Abgrund reißen, und meine Stimme nicht denen gegeben zu haben, denen blinder Haß und Geifer entgegenschlägt. Das hatten wir schon mal! Aber wer aus der Geschichte nichts lernt, muß sie eben ständig wiederholen.
      Es ist wirklich kaum zu ertragen, was einem da alles aus dieser Wohlstandskomfortzone entgegen schallt, das ist einfach nur unterste Talsohle! Und erinnert einem so sehr an vergangene und vor allem überwunden geglaubte Zeiten, aber mitnichten, „der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“ (Bertolt Brecht)!
      Das Friedensdorf leistet schon über 50 Jahre gute Arbeit, leider werden sie es immer weiter tun müssen, ich würde so gerne den Tag noch erleben, an dem ihre Arbeit nicht mehr nötig wäre, weil endlich Frieden in der Welt wäre, aber ich fürchte, so alt kann ich wahrlich nicht werden.
      Einmal war sie möglich, diese friedliche Revolution, was denken die heutigen Geiferer eigentlich, was passiert wäre, wenn dazumalen auch nur ein einziger Schuß gefallen wäre? Und 30 Jahre danach schreit man hier wieder, daß sich gefälligst mit der Waffe in der Hand gewehrt werden müßte? Vom sicheren Sofa aus?
      Hannes Wader und Reinhard Mey, ich bewundere beide, sie haben meine Jugend begleitet, ich hab sie an meinen Sohn weitergegeben, der zu meinem größten Glück und meiner größten Freude den Dienst an der Waffe verweigert hat!
      Dankeschön, ich wünsche dir einen friedvollen Abend, liebste Grüße
      Monika.

      Gefällt 2 Personen

  3. Danke liebe Monika für Deinen berührenden Bericht, es ist unfassbar was da zur Zeit in Afghanistan passiert und keiner will es auch nur Ansatzweise geahnt und erwartet haben. Was machen eigentlich die hochstudierten und völlig überzahlten Politiker, dass keiner mit der Machtübernahme der Taliban gerechnet hat?
    Ich schließe mich meinen Vorschreibern /in an .
    Wer weiß, was uns noch alles bevorsteht.
    Liebe Grüße sendet Dir Ursel

    Gefällt 3 Personen

    • Liebe Ursel,
      das ist wirklich alles so unfaßbar und jeden Tag kommen neue furchtbare Nachrichten dazu. Ja, da kann ich auch immer nur fassungslos den Kopf schütteln, es hat keiner geahnt und erwartet, was da jetzt passiert, wie blind und, mit Verlaub, blöd muß man sein?
      Ich danke dir sehr für deine Unterstützung hier, jedes Wort dagegen und für Menschlichkeit und Miteinander ist so wichtig!
      Ich mag gar nicht daran denken, was uns noch alles bevorsteht, mir reicht alleine schon der Gedanke, was wohl im September bei der Wahl passieren wird, ehrlich? Mir graut! Und ich hoffe inständigst, ich täusche mich!
      Liebe Grüße
      Monika.

      Gefällt 1 Person

  4. Liebe Monika, deine Zeilen ist nichts hinzuzufügen. Denoch kocht in mir eine Wut hoch , wenn ich an unsere heimischen Politiker denke. Die fechten auf dem Rücken von Frauen und Kinder die auf der Flucht sind einem Wahlkampf aus. Im übrigen bin ich da ganz bei dir, die Männer die die Bundeswehr ausgebildet hat und sie mit Waffen versorgt hat, die uns ein Schweine Geld gekostet haben und auch all die anderen gesunden Männer die ihr Land verteidigen können haben unser Land icht verdient . Ich finde nicht alles richtig was da jetzt aus der US Politik entschieden wird , nur ein Satz der hat sich bei mir eingeprägt . “ Solange die Afgahnen nicht bereit sind für ihr Land zu kämpfen , fließt nicht ein Tropfen Blut eines US Soldaten .
    Da lese ich heute morgen in einer Zeitung, dass das Großmaul aus Bayern, den Außenminister nahe legt sich für die nächste Legislaturperiode aus der Politik zurückzuziehen. Als wenn es jetzt keine anderen Probleme geben würde, wird hier mitten in einer Weltkriese Wahlkampf gemacht. Es ist doch nicht allei der Außenminister der hier Fehler gemacht hat. So schlimm wie es ist, ich kann hier unzählige Ministerien aufzählen wo in dieser Kriese Fehler gemacht wurden . Sein Parteifreund aus dem Innenministerium schreit bloß nicht so viele Flüchtlinge . Der Kanzlerkandidat bläst ins gleiche Horn und sagt bloß kein 2019 noch einmal . AKK gehörte jetzt dort hin, wo ihre Soldaten und deren Helfer in größter Not sind und unsere Kanzlerin tut das was sie am besten kann “ nichts“ . So Herr Söder sollen all diese Politiker jetzt hier Ämter niederlegen , nur wer regiert dann unser Land . Ach ich hatte vergessen, sie sind ja noch da , in solch einem Fall hätten sie ja dann bald das alleinige Sagen.
    Ich ziehe mich mit meiner Wut zurück und wünsche euch einen schönen Tag.
    LG Werner.

    Gefällt 1 Person

    • Lieber Werner,
      ich glaub, da hast du mich falsch verstanden, ich bin keineswegs der Meinung, daß man sich ein Land, in das man vor Waffengewalt und Krieg mit all seinen Auswirkungen flüchten kann, „verdienen“ muß! Und gerade Amerika mit seiner Aggressor-Politik sollte in Bezug auf den Einsatz seiner Soldaten den Ball mal ganz flach halten. Da ist mir gerade über meine damalige Arbeitsstelle Vietnam noch in schlimmster Erinnerung, denn ich habe sie dort hautnah gesehen, die Auswirkungen dieser Kriegspolitik! Es gehört nicht ein einziges Land in einen Krieg gezwungen, egal gegen wen und warum, und das kann ich dir versichern, sollte es, was Gott verhüten möge (oder besser seine Menschen hier unten!!!) auch in unserem Land zu einem Krieg kommen, mein Sohn wird keine Waffe in die Hand nehmen, um für irgendein Gottverdammtes Vaterland sein Leben zu lassen, getreu den Zeilen aus dem Lied von Reinhard Mey:
      „Und eher werde ich mit ihnen fliehen
      als daß ihr sie zu euren Knechten macht –
      eher mit ihnen in die Fremde ziehen
      In Armut und wie Diebe in der Nacht!
      Wir haben nur dies eine kurze Leben –
      ich schwör’s und sag’s euch g’rade ins Gesicht:
      Sie werden es für euren Wahn nicht geben!
      Nein, meine Söhne geb‘ ich nicht –“
      Und dieses Recht haben auch afghanische Eltern!
      Fehler haben immer alle gemacht, ich kann bloß nicht begreifen, warum man daraus nicht endlich was lernen könnte, denn dazu sind Fehler eigentlich da. Unsere Politik zieht sich da genauso schmählich aus der Verantwortung und der Affäre, wie alle, die in diesen unseligen Krieg verwickelt sind, die ihn angezettelt haben und jetzt nach ihrem desaströsen Verhalten ein ganzes Land im Stich lassen. Warum sollen eigentlich immer die Söhne der anderen sterben für die unersättliche Gier von wenigen? Warum stehen wir nicht endlich einmal alle auf, erklären die Mär von „dem Krieg als Vater aller Dinge“ für gescheitert, schmeißen ausnahmslos alle Waffen diesen Leuten vor die Füße und weigern uns alle, ihre durchsichtigen Zwecke zu verteidigen, ich zitiere noch einmal Bertolt Brecht aus seinem Solidaritätslied:
      „Unsre Herrn, wer sie auch seien,
      sehen unsre Zwietracht gern,
      denn solang sie uns entzweien,
      bleiben sie doch unsre Herrn.“
      Ich bin so wütend wie du, lieber Werner und wünsche auch dir noch einen schönen Tag, liebe Grüße
      Monika.

      Gefällt 2 Personen

    • Ja, lieber Rolf, da geht es dir wie mir, das Gefühl läßt mich auch nicht los! Und wenn ich dann an die Wahl im September denke, wird mir richtig schlecht, ich hab da nur noch die Hoffnung, ich täusche mich in der Anzahl der Anhänger einer nicht wählbaren Partei, und ich bete darum! 🙏
      Liebe Grüße
      Monika.

      Gefällt 2 Personen

    • Fürchten tu ich das auch, liebe Brigitte, aber hoffen tu ich immer noch, ich will das nicht aufgeben!
      Ich hatte mal so ein schönes Gedicht von Theodor Fontane hier im Blögchen vorzeiten, und die letzten Zeilen hab ich dann immer so im Kopf:
      „Das alte, liebe, böse Hoffen –
      Die Seele läßt es einmal nicht.“
      Vielleicht ist doch noch Umkehr möglich, wenn wir nicht locker lassen, wenn wir der Menschlichkeit wenigstens einen kleinen Schutzwall bauen! 🙏
      Ganz liebe Grüße
      Monika.

      Gefällt 2 Personen

        • Ja, Brigitte, leider, leider fürchte ich das auch! Ich frag mich immer, wer erzieht solche Männer, was sind denn das für Eltern? Oder wo kommt solche Machtgeilheit her, ich hab das nie verstanden!
          Ach, das ist auch ein schönes Zitat von Fontane, und da bin ich dabei:
          Die Hoffnung stirbt zuletzt!!! 🙏❤🤗

          Gefällt 2 Personen

  5. Ich bin seit der Wiedervereinigung der Meinung, dass es ein schwerer Fehler war, die „ehemalige“ DDR in die Nato aufzunehmen und die Nato bis an die Russische Grenze auszudehnen.

    Vielmehr bin ich der Ansicht, dass Deutschland – nach 2 Weltkriegen und Millionen Opfern durch Deutsche – für immer neutral sein sollte, wie die Schweiz seit über 200 Jahren oder Österreich nach dem Abzug der Russen. Wir haben nach 2 Weltkriegen nicht mehr das Recht, anderen unseren Way of Life aufzudrängen. San Marino oder Schweden zeigen mit bis zu 1000 Jahren Neutralität, dass ein gutes Leben des eigenen Volkes möglich ist.

    Selbstverständlich klingt das überaus egoistisch und überheblich, ABER fast alle Kriege der USA und oder der CCCP zeigen, dass ein Krieg auf fremdem Territorium – selbst mit guten Ideen oder Vorschlägen – vor Ort mit Frust und Guerilla-Krieg in einer Mega-Katastrophe endet.

    WIR können einen anderen Kulturkreis weder befrieden noch in die „Neuzeit“ katapultieren. Wer im Mittelalter leben will, braucht kein Deutschland, um belehrt zu werden, wie gottgefälliges Leben funktioniert.

    Daher denke ich, weder Deutschland noch die Welt braucht mehr Waffen und mehr Aufrüstung sondern, grenzt die Regionen und Kulturen, die Stress und Gewalt suchen konsequent ab!

    Meine Idee befriedet keine Krisengebiete – natürlich nicht ‼️
    Die US-Idee des Eingreifens und Bombens funktioniert seit Korea, Vietnam, Kuba, Nicaragua, Afghanistan, Syrien, Irak, Somalia, Libanon, Iran usw. aber auch nicht.

    Um zu verstehen warum es die Taliban überhaupt gibt, sollte man einfach Volker Pispers anhören.

    Minute 26 ;)

    Gefällt 3 Personen

    • Erst einmal danke für Volker Pispers, ich finde ihn genial, und gerade dieses Video zeigt so deutlich auf, worum es eigentlich geht bei allen kriegerischen Auseinandersetzungen und wie mit Menschenleben gespielt wird, die ganze Welt ist ein großes Schachbrett, auf dem die macht- und profitgeilen dieser Erde ihre Figuren, also uns, nach Belieben schieben.
      Das wäre wohl eine gute Sache gewesen, wenn man Deutschland zur Neutralität verpflichtet hätte aufgrund unserer entsprechenden Vergangenheit, letztlich gibt es aber auch ohne „uns“ noch genügend Länder, die anderen ihren „Way of Life“ aufdrücken wollen, zumal es ja im Prinzip bei keinem Krieg der Erde wirklich um einen Lebenstil, eine Religion und sonstiges angeblich so schützenswertes geht, jeder Krieg hat nur ein Ziel: Profit und Macht! Da würde, glaub ich, die Neutralität Deutschlands auch nichts dran ändern.
      Da geb ich dir uneingeschränkt recht, man kann einen anderen Kulturkreis, und schon gar nicht mit Gewalt, befrieden (was für ein Paradoxum, mit Gewalt etwas befrieden, schüttel!) und wir haben letztlich ja auch fast 500 Jahre gebraucht, um vom Mittelalter in die Neuzeit zu kommen, obwohl ich, ehrlich gesagt, angesicht der momentan vorherrschenden „Volksmeinung“ denke, einen großen Teil der Menschen hat es wohl rückkatapultiert oder die waren eh nie dabei! Und da komm ich nun zum eigentlichen Grund meines Eintrags, es war und sollte auch kein politisches Statement werden, obwohl ich da aufgrund meiner eigenen Erfahrungen bezüglich meiner erwähnten Arbeitsstelle sicher einiges zu beitragen könnte, aber es zeigt, denke ich, wohl trotzdem auf, wie ich es politisch sehe, was aber das Faß bei mir halt zum überlaufen gebracht hat, das ist die so offen zur Schau gestellte Inhumanität unserer Zeit, daß man es tatsächlich fertig bringt, unter den Artikel eines Fernsehsenders, der darüber berichtet hat, daß die Helfer meiner damaligen Arbeitsstelle ausgeflogen werden konnten, leider ohne die Kinder, die eigentlich für diesen Hilfseinsatz vorgesehen waren, zu geifern und zu hetzen und derart rassistische und unterirdische Kommentare abzugeben. Das macht mir Angst, das erinnert mich an Zustände, die wir schon einmal in unserer Geschichte hatten und wohin das geführt hat. Auch das hat doch was mit Streß und Gewalt suchen zu tun, es fängt in den Köpfen der Menschen doch immer im kleinen an, und ich dachte doch eigentlich, daß wir weiter davon entfernt wären, uns wieder in einen sinnlosen Strudel von Haß und Gewalt hineinziehen zu lassen.
      Deine Idee ist gut, aber leider hast du recht, auch sie befriedet keine Krisengebiete, Bomben aber eben auch nicht, und so drehen wir uns im Kreis! Was tun? Ich weiß es letztlich auch nicht. Vielleicht doch immer wieder den Daumen gegenhalten, und vor allem darauf hoffen, daß die, das noch tun oder tun wollen, noch immer die Mehrheit im Land sind und nicht der Haufen geifernder Vollidioten!
      Und so, wie du Recht hast, daß man niemanden daran hindern kann, im Mittelalter leben zu wollen, so kann und darf man aber auch niemanden daran hindern, der das nicht möchte. Und darum ging es mir halt eigentlich, es darf niemand in einen Krieg gezwungen werden von Deutschland aus, auch nicht subtil mit abwertenden Urteilen aus der bequemen deutschen Couch heraus, wie sich der wohlstandsverwahrloste deutsche Michel den Kampf gegen die Taliban wünscht, alle Eltern auf dieser Erde haben das Recht, ihre Söhne und Töchter nicht dem Moloch Krieg zu opfern, nicht nur deutsche! Ich hoffe, ich hab mich irgendwie verständlich ausgedrückt, das ganze Thema berührt mich sehr und ich bin in solchen Dingen nicht immer die Ruhigste, das hat mich mein Vater gelehrt, der in den zweiten Weltkrieg gezwungen worden ist, als überzeugter Pazifist mit Jahrgang 1915, und der so glücklich war, daß seine Einflußnahme in dieser Hinsicht bei meinem Sohn dazu geführt hat, den damals noch üblichen Wehrdienst, den Dienst an der Waffe, zu verweigern.
      Liebe Grüße
      Monika.

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.