Ein Abschiedsgeschenk für Fritz

Der Tod ist groß.
Wir sind die Seinen
lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
wagt er zu weinen
mitten in uns.

(Rainer Maria Rilke)

Der kleine Eisbärjunge Fritz aus dem Tierpark Berlin ist tot.

Er wurde nur vier Monate alt.

Eisbär Fritz * 3. November 2016     +6. März 2017

Ich brauchte ein wenig Zeit, um nachzudenken, was ich ihm hier im Blögchen auf seinen letzten Weg mitgeben wollte.

Sein kurzes Leben hat Fritz mit seiner Mama Tonja in der Wurfhöhle vom Tierpark Berlin verbracht, beschützt, genährt und geliebt von ihr, kuscheln mit Mama und, als er ein bissel sicherer auf seinen kleinen Beinchen stand, spielerisch raufend mit ihr war sicher sein höchstes! Das es eine Welt außerhalb dieser Höhle gab, war ihm sicher noch nicht bewußt, und wieviele Menschen da draußen sehnsüchtig auf ihn gewartet haben, konnte er auch nicht ahnen. In dieser Woche sollte er mit seiner Mama zum ersten Mal seine Wurfhöhle verlassen, alles war draußen liebevoll von den Tierpflegern vorbereitet worden, aber das durfte er nicht mehr erleben. Und da hab ich mir gedacht, ich zeig ihm als kleines Abschiedsgeschenk mal die Welt „da draußen“, wie sie sich zeigt im Wechsel der Jahreszeiten, die ihm ein Geheimnis blieben und von denen er ganz sicher den Winter am meisten geliebt hätte.

Schau, Fritz, so sieht die Welt im Frühling aus, der die erste Jahreszeit gewesen wäre, die du erlebt hättest:

Und im Sommer hättest du bestimmt am meisten Freude am plantschen im Wasser gehabt, denn der Sommer ist meist sehr warm, und du hättest dir mit Mama irgendwo ein Schattenplätzchen zum träumen ausgesucht:

Im Sommer blühen auch meine Lieblingsblumen, die Rosen, die duften so schön, vielleicht hättest du sie auch gemocht:

In der dritten Jahreszeit, im Herbst, da werden alle Blätter an den Bäumen ganz bunt, ich glaube, das wäre ein Spaß für dich gewesen, denn der Wind weht sie dann auch so lustig vom Baum, die hättest du bestimmt gejagt!

Der kleine braune Artgenosse von dir findet sie fein!

Na, Fritz, und die Jahreszeit, die nun kommt, das wäre sicher deine Lieblingsjahreszeit gewesen, als Eisbär liebst du ja nun mal Schnee und Eis, es ist so schade, daß du das nicht erleben durftest! Schau:

Das hätten wir alles gerne mit dir erlebt, es hat nicht sollen sein.

Du bist sicherlich liebevoll empfangen worden dort „drüben“, ich hab die ganze Zeit das Bild vor Augen, daß Knut dich abgeholt hat und jetzt kuschelst du auf dem Schoß von Thomas Dörflein, bewacht von Knut und Vilma, die dir vielleicht ein bissel deine Mama ersetzen kann. Und „Oma“ Aika, die dich noch erlebt hat und mit deinem kleinen Zwillingsgeschwister schon vorausgegangen war.

Machs gut, kleiner Fritz, wir werden dich nicht vergessen! Schlaf schön!

Leben ist wie Schnee,
du kannst ihn nicht bewahren.
Trost ist, dass Du da warst,
Stunden, Monate, Jahre.

(Herman van Veen)

Gestern abend zeigte sich der Himmel einmal wieder wie das Leben, Dunkel und Licht vereint!

Habt alle einen guten Tag.

  

32 Gedanken zu “Ein Abschiedsgeschenk für Fritz

  1. Liebe Monika, Dein Abschiedsgeschenk für Fritz, ist das Berührenste ,was ich je gesehen und gelesen habe. Danke Dir dafür!!! Ich hatte mich so sehr auf den kleinen Kerl gefreut, vorbei!!! Es liegt Vergiftungsverdacht vor, es gibt immer wieder Tierhasser, woher sollte der kleine Kerl sonst so eine schwere akute Erkrankung her haben? Bin sehr traurig. LG. Ursel

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    • Liebe Ursel,
      ich danke dir für deinen lieben Kommentar!
      Wir hatten uns alle so sehr auf den lieben kleinen Knuffel gefreut, es ist so unbegreiflich und man hat es noch gar nicht richtig realisiert.
      Vergiftungen können auch von innen, vom eigenen Organismus kommen, und bei Leberentzündungen ist das wohl der Fall.
      Ich bin auch immer noch so traurig, es ist nur gut, daß wir uns hier bissel gegenseitig trösten können.
      Liebe Umarmung und liebe Grüße
      Monika.

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  2. Meine liebe Monika,

    ich bin jetzt auch sehr bewegt und berührt über den liebevollen Eintrag zum Abschied von unserem guten Fritzchen.
    Auch am Tag danach ist es immer noch so unwirklich und tut noch weh.Und man kann schlecht wirklich in Worte fassen,was man fühlt.
    Wie hatten wir das knuffige Kerlchen schon ins Herz geschlossen.
    Ja,er hatte eine schöne Zeit mit und bei seiner so lieben Mama.
    Aber sie hätte ihm gern all das Schöne draußen gern erleben lassen,wie du uns mit all den niedlichen Bildchen zeigst.
    Ganz sicher hätte ihm auch der Winter mit Schnee und Eis sehr viel Freude gemacht,und wir hatten uns darauf gefreut,all das mit ihm hier im Netz oder sogar persönlich zu entdecken.
    Aber es hat nicht sollen sein…
    Daran hab ich auch schon gedacht,wie liebevoll er von den Vorausgegangenen allen empfangen worden ist,das ist ein kleiner Trost.
    Thomas Dörflein wird ihn ans Herz gedrückt haben.

    Nein,wir vergessen dich nie,kleiner Fritz!
    Das Schlaflied und der kleine süße Teddy zum Schluß lassen doch die Tränen wieder flließen.
    Meine besten Wünsche und gute Gedanken gehen auch besonders zu Tonja und den Pflegern.

    Deine Himmelsbilder sind sehr beeindruckend und zeigen sehr gut das nahe Beieinander von Licht und Dunkel im Leben.

    Ganz lieben Dank für das würdige Abschiedsgeschenk für das liebe Bärchen und habt ihr auch einen guten Tag.

    Liebste aber immer noch traurige Grüße von Brigitte.

    Gefällt 1 Person

    • Meine liebe Brigitte,
      danke für deinen lieben Kommentar, ja, man hat das alles noch nicht wirklich realisiert.
      Fritz hatte in seinem kurzen Leben unser Herz schon im Sturm erobert, es ist so traurig, daß er nicht weiterleben durfte.
      Das ist mir gestern halt so durch den Kopf gegangen, daß Tonja ihrem Sohnemann so gerne die Welt draußen gezeigt hätte und ihm alles beigebracht hätte, was ein kleiner Eisbär lernen und wissen muß. Es hat nicht sollen sein.
      Ja, er wird bestimmt sehr lieb empfangen worden sein, und das tröstet doch ein bissel.
      Das kleine Schlaflied gefiel mir so gut für ihn, er war doch noch ein Baby!
      Meine Gedanken sind auch fest bei Tonja und den Pflegern.
      Hab einen guten Tag, liebste und traurige Grüße
      Monika.

      Gefällt 1 Person

  3. Ach Gott Monika,
    du bringst mich wieder zum Weinen.
    Wie schön hast du das zusammengestellt in Bild und Wort.
    Ein wunderschönes Geschenk an Fritz, auf den wir uns so freuten.
    Jetzt ist er im Regenbogenland mit so vielen Lieben, die wir schmerzlich vermissen.
    Danke, du Liebe, für diesen berührenden Eintrag.
    Wir wünschen dir und Mimilein einen guten Tag,
    eure Bees

    ( © Tierpark Berlin FB)

    Gefällt 2 Personen

  4. Liebe Monika,

    es fällt mir immer noch unendlich schwer, etwas zum Tod vom kleinen Eisbär Fritz zu schreiben, weil es genau das ist, was mir so besonders weh tut, dass er nicht einmal das Tages-und Sonnenlicht in seinem kleinen kurzen Dasein erleben durfte. Wahrscheinlich denke ich zu menschenbezogen…
    Aber auch hattest die gleichen Gedanken mit deinem „Abschiedsgeschenk“, das ich sehr berührend finde.

    Seine kleine Welt war die Obhut seiner Mutter und die gemütliche (?) Wurfhöhle, damit müssen wir uns trösten.

    Liebe Grüße
    Britta-Gudrun

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Britta-Gudrun,
      es fällt alleine schon so schwer, die Wörter Fritz und Tod in einem Satz zu sehen, es ist immer noch so unbegreiflich!
      Genau das waren eben auch meine Gedanken, daß er doch noch so gar nichts von der Welt draußen und all dem Schönen, daß da auf ihn gewartet hätte, gehabt hat, ich finde den Gedanken nicht zu menschenbezogen, jedes Lebewesen will doch auch leben! Er hatte es ganz sicher wunderschön mit seiner Mama in der Wurfhöhle, alleine die Nähe seiner Mama war ja anfangs seine ganze Welt, aber nun hätte es ihn doch sicher auch nach draußen gedrängt und man hätte so gerne seine Freude erlebt, an all den Dingen da draußen, die er noch nicht kannte!
      Aber unglücklich war er deshalb ganz sicher nicht, und das ist ein Trost, lieben Dank für deinen lieben Kommentar und liebe Grüße
      Monika.

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  5. Liebe Monika,

    ich komm leider immer so selten dazu in Dein Blog zu schauen und zu kommentieren, aber nun hab ich Dein so rührendes Abschiedsgeschenk für Fritz gesehen und hab Tränen in den Augen…

    Ja es wäre so schön gewesen, wenn er all das erlebt hätte – vielleicht tapst er ja jetzt, für unsere Augen unsichtbar, staunend durch die Frühlingsblumen und das frische Gras… Es fällt immer noch schwer zu verstehen, dass wir den kleinen Kerl, der so neugierig aus seiner Box guckte, nie kennenlernen werden… Obwohl noch so klein, war er schon ein richtiges Charakterbärchen, und wir werden ihn nicht vergessen…

    Liebe Grüße

    Christina

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Christina,
      ach, ich freu mich doch schon so sehr, wenn du guckst!!!
      Bei dem Gedanken an Fritz kommen mir auch immer wieder die Tränen, geradeso wie du empfinde ich das eben auch, so klein, wie er noch war, war er ein Charakterbärchen, sein niedliches Gesicht und die neugierigen und so lebensfrohen Augen, es ist so traurig, daß er uns so früh verlassen mußte und wir ihn nicht einmal richtig kennenlernen durften! Und so kam mir dann halt die Idee für den Eintrag, weil man sich so darauf gefreut hatte, wie er seine Welt kennenlernt, alle Jahreszeiten, die Besucher, und all das schöne ringsum, das doch auch so liebevoll für ihn vorbereitet wurde! Aber das ist ein wunderschöner und tröstlicher Gedanke von dir, daß er vielleicht unsichtbar für unsere Augen durch das Gehege und den Frühling tapst, nein, wir werden ihn nicht vergessen, er hat einen festen Platz in unseren Herzen!
      Ich danke dir sehr für deinen so lieben Kommentar, ganz liebe Grüße
      Monika.

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