Stiller Sonntag

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engel14

Toten-Sonntag

Ihr, die ihr schlaft schon manches Jahr,
ihr, die ihr seit kurzem begraben –
Wacht auf! und macht euch der Gäste bereit:
Ihr sollt euern Sonntag heut` haben!

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Was wir verloren mit euerm Tod,
das werden wir nie verschmerzen.
Und dennoch – : heut hält ein heimlicher Strom
verknüpft die sehnenden Herzen!

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Auf Brücken der Liebe eilen wir hin
zu eurer schweigsamen Stätte;
da ist`s uns, als hielten wir eure Hand
und säßen still – traulich am Bette.

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Da pflegen wir heimliches Zwiegespräch
tiefinnig – wie kaum zu sagen
und blicken uns klar ins Aug` hinein
und nicken und lächeln und fragen –

engel14

Wie dieses und wie jenes kam,
wir wollen es euch erzählen;
was uns`re Seele umschlossen hält,
darf eur`er Seele nicht fehlen –

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Und kehren wir dann vom Friedhof heim
in dämm`rigen Abendstunden,
dann soll uns allen ums Herze sein,
als hätten wir jene gefunden,

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die wir für immer verloren geglaubt,
die wir so lange entbehrten,
die, ob sie auch der Tod geraubt,
auf ein Stündelein … wiederkehrten.

(Otto Promber)

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Der letzte stille Feiertag im November, bevor das adventliche Licht der Hoffnung und Vorfreude wieder leuchtet, der Ewigkeitssonntag.

Stilles Gedenken an alle, Mensch und Tier, die uns vorausgegangen sind.

Von denen wir glauben, daß wir sie eines Tages wiedersehen werden, wo und wie immer jeder sich das vorstellt.

  Die wir geliebt haben und auch über den Tod hinaus lieben.

Von denen wir hoffen, daß es ihnen da, wo sie jetzt sind, gut geht!

Glaube, Liebe, Hoffnung! cid4deb332b1aa84ce0b6c6pr2

Unsere Erinnerungen lassen sie lebendig bleiben und „im sicheren Land der Vergangenheit“ können wir sie jederzeit besuchen.

Ohne große Worte Bilder von meinem letzten Friedhofsbesuch.

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Zwei Zitate von Theodor Storm, passend zum Eingangsgedicht, machen nun hier den Schluß.

„……und ich kann hier im Mondschein meine lieben Schatten zu mir laden; wir brauchen keine Lichter!“ Der Nachtschein fiel durch die kleinen Scheiben; und mitten im Gemache saß die alte Dame und sah mit geisterhaften Augen in die Dämmerung: nur mitunter eine leise Handbewegung, als sei es ein Willkommen.

(aus: Ein Fest auf Haderslevhuus, Theodor Storm)

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„Auch von den Toten bleibt auf Erden noch ein Schein zurück, und die Nachgelassenen sollen nicht vergessen, daß sie in seinem Lichte stehen, damit sie sich Hände und Antlitz rein erhalten“

(Theodor Storm)

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37 Gedanken zu “Stiller Sonntag

  1. Liebe Monika, ja heute ist Ewigkeits Sonntag und wir gedenken unserer Lieben ,die vor uns gegangen sind.Ob es ein Wiedersehen geben wird? Wer weiß das schon. Die Gräber sind schön geschmückt und ewige Kerzen brennen. Friedhof ist irgendwie so etwas wie Heimat für mich. Obwohl die Grabstelle meiner Eltern in diesem Jahr ablaufen würde, habe ich noch einmal für 5 Jahre verlängert . Glaube, Liebe, Hoffnung, diese drei ,aber die Liebe ist die Größte unter ihnen. Das war mein Trau Spruch. Man versucht danach zu leben, es gelingt leider nicht immer. Diese Woche habe ich auch noch eine schreckliche Nachricht erhalten.Meine Kusine ,mit der ich seit Jahrzehnten eng verbunden bin und mit der ich auch noch die wunderschöne Hurtigruten Reise zum Nordkap im September unternommen habe ,ist an Darmkrebs erkrankt und wird morgen operiert. Nun bleibt Glaube, Liebe und Hoffnung!! Und auf die Kunst der Ärzte!!! Unverständlich bleibt, meine Kusine hat sich regelmäßig und gesund ernährt und Sport getrieben. Sie war immer fit wie ein Turnschuh und hat ihr ganzes Leben viel und auch schwer gearbeitet,sich um alle gekümmert.Ihre Eltern bei sich gehabt ,bis zum Schluss.Zwei Söhne gross gezogen und ihren Mann bis zu seinem 90 .Lebensjahr gepflegt.Wo bleibt jetzt die Gerechtigkeit? Ich hoffe sehr ,dass sie diese schwere Krankheit gut überstehen wird. Liebe Monika, tut mir leid, das wollte ich eigentlich gar nicht schreiben aber meine Seele ist z. Zt. dadurch ein bisschen angegriffen. Ich weiß ,dassDu das verstehst. Dein Eintrag ist wieder wunderbar. Danke dafür. LG. Ursel

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    • Liebe Ursel,
      eigentlich denkt man ja immer an alle Lieben, die uns vorausgegangen sind, aber an einem Tag wie heute eben ganz besonders. Und ich möchte einfach an ein Wiedersehen glauben, auch wenn wir es natürlich nicht wissen.
      Auch das ist ein Trost, wenn man Gräber hübsch machen kann und Lichter aufstellen, du sagst es so berührend, Friedhof ist so etwas wie Heimat für dich! Da ist es sicher gut, daß du die Grabstelle deiner Eltern noch einmal verlängert hast.
      Das ist ein schöner Spruch, nicht wahr, Glaube, Liebe, Hoffnung, diese drei, aber die Liebe ist die Größte unter ihnen. Ein wunderschöner Trauspruch, meiner war „Liebet einander, wie ich euch geliebt habe“, nein, es gelingt nicht immer, danach zu leben.
      Ach, Ursel, das tut mir mir wirklich so sehr leid für deine Cousine und auch für dich, ja, da bleibt nun auch wieder die Hoffnung auf die Kunst der Ärzte, und ich sende dir ganz liebe Wünsche dafür und ein ganz festes Daumendrücken, daß alles gut läuft. Das ist wirklich schwer zu verstehen, wo da eine Gerechtigkeit bleibt, da laufen auch alle Sprüche ins leere, und es bleibt eben wirklich nur die Hoffnung, die ich dir wünsche! Trotzdem möchte ich dir noch was schreiben, was ich gerade heute in meinem Tageskalender gelesen habe: „Der Himmel hat den Menschen, als Gegengewicht gegen die vielen Mühseligkeiten des Lebens, drei Dinge gegeben: die Hoffnung, den Schlaf und das Lachen.“ (Immanuel Kant). Laß dich mal ganz lieb umarmen, du kannst das immer hier schreiben, das macht deine Seele dann vielleicht doch ein wenig leichter, und ich versteh dich gut!
      Ich denk an dich und deine Cousine morgen und drück ganz, ganz fest die Daumen! Alles Liebe!
      Liebe und mitfühlende Grüße
      Monika.

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  2. Meine liebe Monika,

    ich danke dir sehr für deinen einfühlsamen Eintrag zum Ewigkeitssonntag.
    Es ist der letzte Sonntag im Kirchenjahr,und er hat doch ein ernstes Gepräge und eine gewisse Dunkelheit.Aber ab morgen geht es auf den ersten Advent zu und damit wieder aufs Licht.Durch die Kerzchen und bald auch wieder mit dem Sonnenlicht!

    Dein eingestelltes Gedicht hat mich sehr berührt und ich kann in allem nur zustimmen.

    Ich denke an diesem Tag auch nicht nur lieber verstorbener Menschen,sondern genauso an liebgewordene Tierlein.

    An ein Wiedersehen glaube ich auch,wie immer das auch einmal sein wird.
    Und das tröstet doch sehr.

    Wie es Ursel schon so treffend schrieb,die Liebe ist das Größte und Bleibende!
    Wirklich tot ist nur,wer vergessen ist.Vom wirken unserer Lieben bleibt sehr wohl ein Schein.Wie oft denke ich im Alltag,was würden die Eltern jetzt dazu sagen,wie würden sie Entscheiden.So sind sie immer gegenwärtig.

    Deine Fotos vom letzten Friedhofsbesuch strahlen so einen Frieden und Besinnlichkeit und Ruhe aus,Dankeschön auch dafür!

    Die beiden Zitate von deinem Lieblingsdichter sind es wert,mehrmals gelesen zu werden.

    Ich wünsche dir und Mimilein einen stillen und guten Sonntag und schicke euch liebste Grüße
    Brigitte.

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    • Meine liebe Brigitte,
      der Eintrag zum Ewigkeitssonntag ist mir immer ein Bedürfnis.
      Ja, es ist der letzte stille Feiertag, danach geht es auf den 1. Advent und wieder auf eine lichtere Zeit zu.
      Das Gedicht fand ich auch so schön passend, man findet sich in ihm wieder.

      Die Liebe ist mit Sicherheit die Größte, und daß geliebte Menschen, die uns vorausgegangen sind, auch im Alltag gegenwärtig sind, hat auch Reinhard Mey mal so wunderbar ausgedrückt „…denn eigentlich ging keiner fort:
      In einer Geste, einem Wort, in irgendeiner Redensart lebt ihr in meiner Gegenwart.“

      Danke, daß dir die Friedhofsbilder gefallen, genauso, wie du sie empfindest, war die Stimmung auch beim fotografieren.
      Und die Zitate von Th. Storm paßten halt so gut dazu.

      Ich wünsche dir auch einen guten stillen Sonntag mit liebsten Grüßen
      Monika.

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  3. Wunder, wunder schön, liebe Monika!

    Meine Gedanken sind heute und immer bei meinen Lieben, die ich viel zu früh verlor.
    Aber mir hilft stets mein Optimismus, den ich wohl von der Mama geerbt habe und die Worte, die sie gerahmt an der Wand hängen hatte, zusammen mit einem immer frischen Mimosenzweig.

    „Leuchtende Tage. Nicht weinen, dass sie vorüber. Lächeln, dass sie gewesen.“

    Auch die Mama hat um ihre Lieben, die sie verlor, getrauert, blieb aber immer fröhlich und heiter.

    Und das bleiben wir auch, gell

    Die Bees schicken euch lieben Emms viele Grüße und falls vermisst, Sonne.
    Es stürmt zwar, aber jetzt scheint trotzdem die Sonne. Sooo schön

    Bis später

    Gefällt 1 Person

  4. Liebe Monika,

    die Fotos vom Friedhof sind sehr schön.
    Die Atmosphäre auf Friedhöfen ist von ganz besonderer Art.
    Manchmal still und scheinbar verlassen, dann wieder belebt durch viele Besucher mit geschäftigem Treiben bei der Grabpflege. Also vergessen sind die Verstorbenen in den seltensten Fällen.

    Den Namen „Ewigkeitssonntag“ habe ich erst durch dich kennengelernt,
    der mir auch viel besser gefällt als Totensonntag.
    Heute trieb ein fast fönartiger Wind die Blätter vor sich her….

    Ursel, auch von mir festes Daumendrücken für deine Cousine!

    Abendliche Grüße
    Britta-Gudrun

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  5. Liebe Britta-Gudrun,
    danke! An diesem Tag, als ich die Fotos gemacht habe, war so eine ganz stille, friedliche, fast gelöste Atmosphäre auf dem Friedhof, ich hab mich so gefreut, daß die Fotos das wirklich ein bissel wiedergespiegelt haben.
    Ich glaube, vergessen sind Verstorbene wohl nur da, wo niemand mehr da ist, der sie gekannt hat, und vielleicht nicht einmal dann, denn es werden sicher noch mehr Menschen das machen wie ich, ich gehe gerne so „die Reihen lang“, um zu gucken, und wenn man den Namen liest oder sogar vielleicht ein Bild dabei hat auf dem Grabstein, denkt man ja auch an den Verstorbenen.
    Ich fand den Ausdruck damals so schön auch, Ewigkeitssonntag, hört sich einfach tröstlicher an.
    Hier war es auch sehr stürmisch und das hat einiges an noch vorhandenen Blättern von den Bäumen geweht, der erste richtige Herbststurm eigentlich.
    Liebe abendliche Grüße an dich,
    Monika.

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    • Das ist eine wirklich schöne Bezeichnung, ja, genauso wie Himmelsgeburtstag, ja, das stammt von Brigitte/Plauen und das finde ich auch so schön!
      Das stammt noch aus meiner Kinderzeit, das mit den Gräberreihen entlanggehen, ich bin ja immer mit meiner Tante früher in Höxter auf den Friedhof gegangen, wenn sie zum gießen oder zum aufhübschen ging, das war mir zu langweilig und dann bin ich immer überall gucken gegangen, und das ist bis heute so geblieben!

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  6. Liebe Monika!
    Danke für den Eintrag der mir Tränen in die AUgne zauberte. Glitzerperlentränen der Berührung, aber auch der Trauer. Also „Ewigkeitssonntag2 ist ein sehr wunderbares Wort.
    Monika, ist das bei euch das, was bei uns Allerheiligen- Allerseelen ist. Ich finde es ist auch schön der Termin, der letzte sonntag vor Adventbeginn. Fühl dich umarmt. Segen! M.M.

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    • Liebe Monika-Maria,
      oh, das berührt mich jetzt sehr, daß dich der Eintrag hier so gerührt hat, deine Trauer ist in diesem Jahr doch noch so frisch, ich kann dir das so gut nachfühlen. Eine liebe, mitfühlende und tröstende Umarmung für dich! Und ich danke für die deine!
      Ich finde Ewigkeitssonntag auch ein viel schöneres Wort als Totensonntag, es ist der Termin für die evangelischen Christen zum Totengedenken, ich finde den Termin, einen Sonntag vor dem 1. Advent, auch wirklich gut gewählt. Allerheiligen und Allerseelen ist hier aber auch gut bekannt als die katholische Variante des Totengedenkens, ich bin katholisch, so ist mein Friedhofsbesuch meist an Allerseelen, an Allerheiligen, dem 1. November, finde ich es immer zu trubelig.
      Ich danke dir für deine Segenswünsche, ich wünsche auch dir Segen und schick ganz liebe Grüße
      Monika.

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