Der letzte stille Feiertag

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Graue Tage

Es ist mitunter,
als wären alle Fäden abgeschnitten…
als wäre alles um dich her
weitab und leer,
ein toter Raum,

und du dir selbst ein fremder Traum…

…als käme nie die Sonne wieder,
als klänge nie ein Lied mehr durch,
als höre alles langsam auf…

und plötzlich flimmert’s durch die Wolken
und plötzlich trifft ein Klang ans Ohr
und leise fliegt auf goldenem Flügel
ein Schmetterling am Weg empor!

(Cäsar Flaischlen )   2animaatjes-natuur-68267

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Der letzte stille Feiertag im November, der Ewigkeitssonntag, beendet eine Woche, die geprägt war von Trauer, Angst und Fassungslosigkeit.

Trauer um die Toten, von Paris und überall auf dieser Welt, wo solche feigen Terroranschläge Fassungslosigkeit über soviel Unmenschlichkeit auslösen. Und Angst! Angst vor weiteren Anschlägen und einer neuerlichen Spirale der Gewalttätigkeit.

Aber Angst ist ein schlechter Berater! Sie lähmt, sie macht handlungsunfähig, und sie macht kurzsichtig.

Laßt uns daher gemeinsam dafür Sorge tragen, daß solche feigen Anschläge ihr Ziel nicht erreichen, verweigern wir uns der Verallgemeinerungen und der Vorurteile, laßt uns ein Licht anzünden in diesen dunklen Tagen, gebt es weiter und laßt es dadurch wieder hell werden für das Leben! Leben und lieben sind die natürlichen Feinde der Haßprediger und Fanatiker!

Unsere Trauer wird bleiben, sie gehört zu uns, und unsere Toten werden nicht vergessen. Dafür ist dieser Ewigkeitssonntag ein besonderer Anlaß zum Gedenken an sie.

Bevor in der nächsten Woche langsam das Licht der Adventstage wieder Einzug in unsere Herzen und in unsere Welt halten wird, wollen wir noch einmal achtungsvoll innehalten.

Um dann mit Hoffnung und ohne Angst wieder nach vorne zu schauen! Wir sind es unseren Toten schuldig, nicht in Angst und Tatenlosigkeit zu verharren! Leben! Lieben!

Einträge zum Ewigkeitssonntag haben wir in diesem Blog bereits ein drittes Mal, in Anbetracht der letzten furchtbaren Ereignisse hab ich als Thema dieses Mal den Friedhof gewählt, ein Ort, der bei aller Trauer doch auch immer etwas tröstliches und auch lebendiges enthält, auf dem sich das Leben der Natur im Wechsel der Jahreszeiten immer wieder so wunderbar erneuert. Wo man einen Ort zum trauern, zum erinnern, aber auch zum frohen Erinnern besitzt.

Ein Friedhof (Begräbnisplatz, veraltet Gottesacker, Kirchhof oder Leichenhof) ist ein Ort, an dem Verstorbene, in den meisten Fällen begleitet von einem religiösen oder weltlichen Ritus, bestattet werden. Anlagen aus vorchristlicher Zeit werden in der Archäologie als Gräberfelder oder Nekropolen bezeichnet.

Friedhof leitet sich ursprünglich vom althochdeutschen „frithof“ ab, der Bezeichnung für den einge„fried“eten Bereich um eine Kirche. Der Bedeutungswandel zu einem „Hof des Friedens“ vollzog sich mit dem Verblassen der etymologischen Wurzel.

Friedhöfe erfüllen wichtige und in vielen Kulturen bestehende individuelle und kollektive Funktionen. Vor allem sind sie dazu bestimmt, den Angehörigen Verstorbener ein ungestörtes Totengedenken in einem Raum zu ermöglichen, der deutlich von dem der Lebenden abgetrennt ist. Somit spielen sie eine wichtige Rolle in der religiösen Praxis und erfüllen öffentliche Interessen.

(Quelle: Wikipedia)

https://de.wikipedia.org/wiki/Friedhof

Ich liebe alte Friedhöfe und alte Gräberfelder, das war schon als Kind so, wahrscheinlich, weil ich als Kind immer schon mit meinen Verwandten zur Gräberpflege mitgegangen bin. Da entwickelt sich dann meist frühzeitig ein völlig „normales“ Verhältnis für solche Stätten.

Deshalb hab ich als Bilder für diesen Eintrag auch wieder alte Gemälde mit diesem Thema rausgesucht, ich hoffe, sie gefallen euch so wie mir.

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(Friedhof auf dem Oybin, Carl Gustav Carus, 1828)

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(Kügelgens Grab, Caspar David Friedrich, 1822)

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(Friedhof im Schnee, Caspar David Friedrich, 1826)

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(Kapelle im Mondschein, Fritz von Wille, 1912)

Auf den alten Gemälden sieht man, daß zu allen Zeiten Gräber geschmückt und gestaltet wurden, ich finde, das ist für die Nachgebliebenen immer noch so ein schönes Ritual, daß uns mit unseren Verstorbenen verbindet.

Es gibt auch unzählige Rituale um Tod und Beerdigung, alle wahrscheinlich mit dem Ziel, die Trauer durch aktives Tun verarbeiten zu können.

Vom Ursprung her ist ja weiß die Farbe des Todes, bei vielen Völkern ist das wohl auch heute noch so, bei uns ist es eigentlich nur noch den weißen Blumen für Grabgestecke vorbehalten.

In einem Sterbehaus werden Fenster geöffnet, damit die Seele zum Himmel ziehen kann.

Kerzen werden neben den Sterbenden angezündet, und brennen auch bei dem Toten weiter, das Licht ruft den Segen herbei und trägt die Gebete der Familie in den Himmel.

Wasser besitzt eine ähnliche läuternde und belebende Kraft und weist Dämonen ab. Deshalb wird der Sterbende mit Weihwasser besprengt, weil es wie das Taufwasser die Sünden abwäscht, und aus dem gleichen Grund wird die Leiche gewaschen.

Auge und Mund werden den Toten auch heute noch geschlossen, obgleich der ursprüngliche Grund für diese Geste in Vergessenheit geraten ist: Man glaubte, daß der Blick des Toten den nach sich ziehen könnte, den er traf.

Die Uhr wird angehalten, weil die Uhr das Zeichen der Zeit ist, aus der der Tote in die zeitlose Ewigkeit gerufen worden ist. Die angehaltene Uhr zeigt, daß die Lebenszeit abgelaufen ist und verhindert, daß die arme Seele ruhelos weiter umherirren muß.

Der Spiegel wird verhängt, damit sich die Seele leichter aus dem irdischen Leben lösen kann. Der Spiegel wurde als ein Werkzeug des Teufels betrachtet, er hängt mit der irdischen Eitelkeit zusammen und man nimmt dem Bösen die Macht, wenn man sein Werkzeug verhängt.

(Quelle: Sybil Gräfin Schönfeldt, Das große Ravensburger Buch der Feste und Bräuche)

Noch einmal der Nebel des Novembers

Schischkin, Nebel im Wald

(Nebel im Wald, Iwan Iwanowitsch Schischkin)

und dann gehen wir dem Licht des ersten Advent entgegen!

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Ein Engel möge uns alle begleiten und unsere Gebete und Bitten zum Himmel vermitteln.

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Habt alle einen guten Sonntag!

 

 

6 Gedanken zu “Der letzte stille Feiertag

  1. Meine liebe Monika,

    ja,mit dem Ewigkeitssonntag endet nun das Kirchenjahr und es tut gut,diesen doch etwas wehmütigen Tag hier zusammen verbringen zu können.Wo man sich auch mit seinen Gedanke und Gefühlen wiederfindet.
    Ganz besonders trifft dieses bei mir in dem Gedicht zu,so fühle ich mich oft.
    Aber dann kommt doch meist so ein kleines Lichtlein am Horizont zum Vorschein-und es geht bissel freudiger weiter!

    Es war in der Tat eine traurige Woche,was das Weltgeschehen betrifft.Ohne unsere Trauer um die Opfer zu schmälern,soll uns die Angst nicht lähmen,sondern das Leben und die Liebe die Oberhand behalten und ein „Dennoch“ bleiben.Du hast das alles schon so treffend formuliert,ich möchte es nicht zerreden.

    Ich war heute am Morgen an den Gräbern meiner Eltern und meines Schwagers,habe Blumenschmuck und ein Lichtlein hingestellt.Es war noch ziemlich einsam,aber schon berührend der Lieben überall gedacht.Sicher schon gestern oder an unserem Bußtagsfeiertag diese Woche.
    Ich bin auch schon immer gern über Friedhöfe gelaufen.Doch als das mehr oder weniger alles fremde Gräber waren,die man da sah,war es doch ein anderes hingehen als jetzt…Doch es tut schon gut,diesen Ort zum trauern und gedenken zu haben.In unseren Herzen bleiben unsere lieben Voraufgegangenen-wie ich als Christ glaube-sowieso alle!

    Lieben Dank für das Interessante alles über die Friedhofskultur,und auch das wissenswerte über die Rituale um Verstorbene.Manches wusste ich,hab aber viel neues erfahren hier im feinen Blögchen.
    Ganz besonders gut gefallen mir wieder die alten Gemälde und die Bildchen überhaupt!

    Sehr schön und tröstlich ist nun das Adventsahnen,das du zu guter letzt uns noch mit auf den Weg gibst!Fast jeder wird nun die kommende dazu nutzen,um sich auf dieses erste Lichtlein vorzubereiten,dass dann die schöne Weihnachtszeit „einläuten“ wird!

    Ich wünsche auch für alle einen lieben begleitenden Schutzengel und einen guten Sonntag!

    Besonders auch euch,liebe Monika und liebes Mimilein,und habt auch einen guten und besinnlichen Sonntag und ein herzliches Dankeschön noch dazu!

    Liebste Grüße von Brigitte.

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    • Meine liebe Brigitte,
      ja, und wir gehen vom Ende wieder in den Anfang!
      Und ich freu mich, daß du dich hier gut aufgehoben fühlst. So soll das!
      Es war in der Tat eine traurige Woche, und es wird auch sicher überall noch dauern, bis man das ein wenig verarbeiten kann.
      Das hat gerade in dieser Zeit im November wirklich was tröstliches, daß alle Gräber geschmückt sind und die Lichter darauf brennen, drückt es doch eben unsere Verbundenheit aus mit all unseren Lieben.
      Ja, mein Feste- und Bräuchebuch ist da eine wahre Fundgrube, wie oft ich auch schon hineingeschaut habe, man findet immer etwas neues.
      Ich such immer sehr gerne nach diesen Bildern für die verschiedenen Themen hier, und ich freu mich, daß es dir gefallen hat.
      In dieser Woche gehen wir auf den 1. Advent zu, daß ist schön, ab morgen kann dann auch wieder wohnungs- und außenmäßig geschmückt werden, das ist auch schön.
      Danke für deine guten Wünsche, hab einen schönen Sonntagabend und komm gut wieder in die neue Woche, liebste Grüße
      Monika.

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  2. Liebe Monika,

    deine Erläuterungen zur Friedhofskultur sind so wahr und dennoch
    hat sie sich leider als Bestandteil unseres Lebens sehr verändert.
    Junge Menschen haben heute kaum noch Beziehungen zur Friedhofs- und Trauerkultur, das finde ich sehr schade. Ihre Gedenkstätten finden sich allenfalls virtuell und anonym im Netz wieder, wo mit einem Klick eine Kerze angezündet wird und das war´s dann auch schon…

    Ich war gestern schon auf dem Friedhof, heute ist es mir einfach zu kalt.
    Die schrecklichen Ereignisse der letzten Woche gehen einem nicht aus dem Kopf und die Angst vor weiteren Anschlägen nistet sich trotz aller Beschwörungen ein. Selbst die bevorstehende und Frieden versprechende Adventszeit ist davon betroffen.

    Aber wir wollen die Hoffnung nicht verlieren. Ich danke dir sehr herzlich für diesen Eintrag zum heutigen Tag, den du mit großem Einfühlungsvermögen formuliert hast.
    Ich bin heute etwas sprachlos und kann daher nicht auf alles im Einzelnen eingehen.

    Dir und Mimi einen friedlichen Sonntag
    wünschen Django und Britta-Gudrun

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    • Liebe Britta-Gudrun,
      das ist auch schade, daß sich viele junge Menschen dieser Trauerkultur gänzlich verschließen, sie ist ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Es mag aber auch sein, daß das nun wieder eine Übergangshandlung ist und die jüngeren Generationen sich aus allen neuen Möglichkeiten, die das Netz auch zu diesem Thema bietet, und den alten Ritualen etwas Neues „bastelt“, da gibt es unter den jungen Leuten doch auch wieder mehr, die sich dafür interessieren. Es geht eben nicht ohne, und diese Erfahrung wird wohl gemacht werden müssen. Und letztlich ist eine virtuelle Kerze schon besser als gar nichts, und vielleicht doch auch der Ausdruck, daß man einen Platz zwischen den Traditionen finden möchte.
      Ich war an Allerseelen schon auf dem Friedhof, heute wäre es mir auch zu usselig, die Temperaturen haben sehr angezogen.
      Es wird ganz sicher dauern, bis diese Angst besiegt werden kann, die Anschläge trafen den Nerv, das ist ja das perfide daran! Und es ist eben nicht leicht, da irgendwo wieder den Ausstieg zu bekommen.
      Wenn dir der Eintrag ein bissel geholfen und gut getan hat, hat er seinen Zweck erfüllt, man muß nicht immer viele Worte machen! Auch Schweigen kann gut tun.

      Mimi freut sich über die Kumpel-Grüße, sie schnurrt lieb zurück, habt auch einen guten, friedlichen Sonntagabend, liebe Grüße
      Monika und Mimi.

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  3. Guten Abend liebe Monika,
    wie immer schreibst du gute, nachdenkliche Beiträge.
    Ich gehe auch schon immer gerne über Friedhöfe, besonders über die alten.
    Wir haben hier einen sehr schönen Friedhof, den Riensberger Friedhof.
    Beim letzten Besuch habe ich dort unglaublicherweise eine Flussseeschwalbe
    geschnappt.

    Morgen wäre ich gerne nach Hamburg gefahren, dort wird unser ehemaliger
    Bundeskanzler Helmut Schmidt beigesetzt.
    Er wird neben seiner Frau Loki auf dem Friedhof Ohlsdorf zur ewigen Ruhe
    gebettet werden. Auch ein wunderbarer Parkfriedhof.
    Das Wetter ist so erbärmlich schlecht, dass ich morgen keinesfalls fahren werde, aber gewiss zu einem späteren Zeitpunkt. Vielleicht im Frühling.
    Ich hoffe, dass die „Großveranstaltung“ morgen in Ruhe und Frieden abläuft. Sicher sein kann man nicht.
    Vielen Dank für deine besinnlichen Worte.
    LG Brigitte

    PS mal sehen, ob das Bild erscheint und irgendwie ist mir, als ob ich es schon mal gepostet hätte, lol.
    Bei den hunderten Bildern überall verliere ich langsam den Überblick ;-)

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    • Liebe Brigitte,
      danke, daß es dir gefallen hat, es ist zur Zeit gar nicht so einfach.
      Das ist ein wunderbarer alter Friedhof, euer Riensberger Friedhof, ich habe gerade mal im Netz gesucht und bin natürlich fündig geworden. Mit vielen schönen Bildern! Deines ist allerdings etwas ganz besonderes, mit der Flußseeschwalbe im Flug, das berührt mich sehr, ich hab die Grabplatte meiner Mama mit Schwalben gestaltet, weil das ihre Lieblingstiere waren, das ist jetzt so schön mit dem Bild von dir.

      Schade, daß das Wetter so schlecht ist, kann ich nachempfinden, daß du gerne zur Beisetzung von Helmut Schmidt gefahren wärest, ich mochte ihn und seine Frau sehr. Nun haben sich die beiden wieder! Vom Ohlsdorfer Friedhof hab ich auch schon gehört, wie du schon schreibst, ein wunderbarer Parkfriedhof.
      Bei einem der zukünftigen Besuche bei den Kindern würde ich sehr gerne mal den Melatenfriedhof in Köln besuchen.
      Vielleicht klappt ja dein Besuch dann im Frühjahr, und ich hoffe auch sehr, daß die Beisetzung in Ruhe und Frieden abläuft, es sind wirklich schlimme Tage!

      Das Bild ist fein erschienen, nochmals lieben Dank, und nein, ich kannte es noch nicht, aber du hast schon recht, manchmal weiß man es wirklich nicht mehr, hatte man oder hatte man noch nicht, hihihi!
      Danke für deinen lieben Kommentar, einen schönen Restsonntag gewunschen und einen guten Start in die neue Woche mit lieben Grüßen
      Monika.

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