Türchen 21

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Weihnachtabend

Die fremde Stadt durchschritt ich sorgenvoll,
der Kinder denkend, die ich ließ zu Haus.
Weihnachten war’s; durch alle Gassen scholl
der Kinderjubel und des Markts Gebraus.

Und wie der Menschenstrom mich fortgespült,
drang mir ein heiser Stimmlein in das Ohr:
„Kauft, lieber Herr!“ Ein magres Händchen hielt
feilbietend mir ein ärmlich Spielzeug vor.

Ich schrak empor, und beim Laternenschein
sah ich ein bleiches Kinderangesicht;
wes Alters und Geschlechts es mochte sein,
erkannt ich im Vorübertreiben nicht.

Nur von dem Treppenstein, darauf es saß,
noch immer hört ich, mühsam, wie es schien:
„Kauft, lieber Herr!“ den Ruf ohn Unterlaß;
doch hat wohl keiner ihm Gehör verliehn.

Und ich? – War’s Ungeschick, war es die Scham,
am Weg zu handeln mit dem Bettelkind?
Eh meine Hand zu meiner Börse kam,
verscholl das Stimmlein hinter mir im Wind.

Doch als ich endlich war mit mir allein,
erfaßte mich die Angst im Herzen so,
als säß mein eigen Kind auf jenem Stein
und schrie nach Brot, indessen ich entfloh.

(Theodor Storm)

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(Kinder als Baumverkäufer auf dem Weihnachtsmarkt, 1904, Heinrich Zille)

Das dritte Jahr führe ich nun diesen Adventskalender hier, und traditionsgemäß ist Türchen 21 ein besinnlicher Eintrag!

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Gestern kam das Friedenslicht aus Betlehem in unserer Kirche an und wurde in einem Gottesdienst an die Gemeinde weitergegeben, ich hab es mir mit meinem obigen kleinen Laternchen geholt und angezündet nach Hause getragen.

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Das Motto des diesjährigen Friedenslichtes heißt

„Friede sei mit dir – shalom – salam“

Kann ein kleines, unscheinbares Licht Frieden in die Welt bringen?
Ja, es kann! Wenn es weitergegeben wird von Hand zu Hand, und damit andere Kerzen entzündet werden, strahlt sein Licht immer heller!
Licht, das man teilt, wird mehr!
Es bewirkt, daß sich die Menschen näher kommen müssen, um ihr Licht am anderen zu entzünden, es macht nicht nur das äußere Dunkel, es macht die Herzen hell! Es strahlt Wärme aus, die die Menschen erreicht, es leuchtet aus den Augen der Menschen, die es still betrachten!
Es führt die Menschen zueinander, aus dem Dunkel in das Licht!
Es ist ein ganz winziger, kleiner, erster Schritt auf dem Weg zum Frieden!
Weil es mit seiner Wärme und mit seinem Glanz Kälte taut und „strahlen“ läßt!
Unzählige Lichterketten, die in vergangenen Zeiten gebildet worden sind, beweisen das, die Lichter der „Montagsdemonstrationen“ in der ehemaligen DDR haben einen friedlichen, gewaltfreien Umbruch und Neuanfang ermöglicht!
Wo Menschen Kerzen in die Hand nehmen, haben sie keine Hand mehr frei für eine Waffe! Das Licht muß geschützt werden, damit sind beide Hände beschäftigt, mit dem Halten und dem Schützen!

Bei den gestrigen so vergnügten und fröhlichen Bildern der Weihnachtsmärkte aus vergangenen Zeiten ist mir etwas aufgefallen:
Es gab auch andere! Bilder, wie das ganz oben unter dem Gedicht eingestellte Bild von Zille! Bilder von den ausgegrenzten von dieser Fröhlichkeit, den Armen, denen, die nicht teilhaben konnten. Die sich, wie im Gedicht von Storm, ihren kärglichen Lebensunterhalt eben auch auf diesen Weihnachtsmärkten verdienten, mit dem Verkauf von ärmlichem Spielzeug oder anderen Dingen!
Die sich ein Vergnügen nicht leisten konnten!

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(Was erwarten wir? Ernst Fröhlich, 1877)

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(Heinrich Zille)

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(Berlin N.O. „Nee, Freilein, forn Sechser kannste bei mir nich loofen, der Schport kost´immer noch´n Jroschen!“ „Na, ick habe doch man aber bloß een Schlittschuh“, Heinrich Zille)

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(Heinrich Zille)

Laßt uns nicht müde werden, Licht in die Welt zu bringen, in den Schatten; Mißstände, Ungerechtigkeiten und Benachteiligungen „auszuleuchten“ und aufzuzeigen! Denn nur eine gerechte Welt kann auch eine friedliche Welt werden!

Wir haben im Gottesdienst ein sehr schönes Lied gesungen, mit diesem Lied möchte ich den Eintrag hier nun schließen!
Die Melodie hab ich nur auf der Orgel instrumental gefunden, den Text darf ich aus urheberrechtlichen Gründen hier nicht veröffentlichen, das ist sehr schade, er wäre so passend gewesen!
Er steht im „Halleluja-Heft“, falls einer von euch dazu Zugang hat, kann er ihn nachlesen!

Ich wünsche euch Frieden und Licht und einen schönen 4. Adventssonntag!

:wave:

4 Gedanken zu “Türchen 21

  1. Meine liebe Monika,

    ich danke dir sehr für diesen besinnlichen Eintrag heute.
    Du hast alles so fein zum Ausdruck gebracht und aufgezeigt-dem ist schon fast nichts mehr hinzuzufügen!

    Das Licht ist oft so unscheinbar,lautlos sowieso,aber sooo wichtig!So wie eben meist alle wichtigen Dinge ohne großes Getöse daherkommen.

    Ich freu mich auch schon über zaghafte Sonnenstrahlen heute hier bei uns nach tagelangem Grau,Regen und Sturm.

    In deinem sehr nachdenklich machenden Gedicht lesen wir so schnell von der verpassten Gelegenheit zu helfen.Aber wie oft hat man es nicht schon selbst versäumt,ein kleiner Lichtesträger zu sein!?Es sind oft nur kleine Gesten.

    Die vielen Kerzen zur Wendezeit hab ich hier ja hautnah miterlebt,wie sie in den Fenstern und vor den Kirchenportalen standen,das war immer sehr berührend.
    Deswegen fand ich auch die „Lichtergrenze“ in Berlin letzten November so toll!

    Dein wunderschönes leuchtendes Heimeligkeit verbreitendes Friedenslicht bewegt mich sehr-Friede sei auch mit dir und allen,die hier hereinschauen!Möge es gute Gedanken in uns „anzünden“!
    Beschütze es gut,es ist ein besonderer Schatz!

    Das von dir erwähnte Lied ist auch „nur“ instrumental sehr schön.Den Text finde ich schon mal.

    Heute Nachmittag wird unser Adventskonzert nochmal aufgeführt.Gestern durften wir schon vielen Menschen bissel Helligkeit in die Herzen bringen durch Musik und Gesang,und unsere Kinder brachten das natürliche Licht durch Kerzen in den Händen zu Beginn in die dunkle Kirche.Das war schon ein feierlicher Anfang!

    Lieben Dank wieder für deine Mühe,vorallem die passenden Bildchen und die gelungenen Fotos und den Link.

    Und für dich auch einen friedvollen und erhellten 4.Advent,auch für Mimilein und alle Besucher hier und liebste Grüße von Brigitte.

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    • Meine liebe Brigitte,
      ja, das ist für mich mittlerweile eine liebe Tradition geworden, am 21.12. ein wenig was besinnliches reinzubringen!
      Die wichtigsten Dinge im Leben sind die stillen, leisen, da hast du so recht!
      Wie schön, daß du ein paar zaghafte Sonnenstrahlen gesehen hast heute, dann ist sie ja wohl doch noch nicht ausgewandert, wie ich hier schon befürchtet habe, hier läßt sie sich partout nicht blicken.
      Oh, ja, die verpaßten Gelegenheiten im Leben, wie oft sind sie einem schon passiert, hat man erst im nachhinein gedacht, oh, das hättest du jetzt anders machen können.
      Von der Lichtergrenze war ich auch ganz begeistert, das war so ein berührendes Bild, wie sie einer nach dem anderen in den nächtlichen Himmel aufgestiegen sind, ganz wunderbar.
      Ich mag dieses Laternchen sehr, es hängen Erinnerungen dran, und vor allem die Farbe ist so schön, hellviolett, und das Licht ist so geschützt darin, ich hab es ja gestern sogar durch den Sturm angezündet nach Hause getragen bekommen.
      Ist immer ein bissel ärgerlich mit solchen Texten, ich weiß auch gar nicht, was man sich von solchen Regelungen verspricht, es wäre mir als „Dichter“ doch wichtig, daß mein Lied, mein Text sich verbreitet! Man kann es doch dann wenigstens für nicht kommerzielle Zwecke entsprechend freigeben.
      Ich wünsche wieder ganz viel Erfolg bei eurem zweiten Konzert heute, das ist sowas schönes, wenn man mit Musik Herzen verbinden und Licht zu den Menschen bringen kann, gerade Musik kann das ja noch immer am besten! Ist ein sehr berührender Anblick, wenn eine dunkle Kirche durch einziehende Kerzen erhellt wird, nicht wahr, das war ja bei uns gestern auch so!

      Ich wünsche dir auch von Herzen einen friedvollen und hellen 4. Adventssonntag, und wenn ich ein bissel dazu beitragen konnte, dann ist das schön!

      Liebste Grüße
      Monika.

      P.S.: Mimi hat als Katze ihr Licht immer im Herzen, sie stört das Grau draußen nicht, da sind uns Tiere über!

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  2. Liebe Monika,

    zu deinem heutigen Beitrag komme ich fast schon zu spät. Nach einem Feudel-und Waschtag bin ich auch fast zu müde zum Kommentieren.
    So sage ich einfach nur danke für deine erhellenden Gedanken zum Kerzenlicht.

    Liebe Grüße
    Britta-Gudrun

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    • Liebe Britta-Gudrun,
      na, besser spät als nie, lach!
      Am „heiligen Sonntag“ feudeln und waschen, hihihi, da kenne ich auch was von, mir ist das auch meist wurscht!
      Büdde schön, gern geschehen!
      Bei dem unsäglichen Wetter und dem tristen Grau da draußen ist man doch sogar ohne was zu tun müde, kann ich also gut verstehen, daß du kaputt bist!

      Hab noch einen schönen, ruhigen Adventssonntag-Abend, liebe Grüße
      Monika.

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