Türchen 20

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MiBuRo A d v e n t s k a l e n d e r

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Knecht Ruprecht

Von drauß vom Walde komm ich her;
ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
sah ich goldene Lichtlein sitzen;

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und droben aus dem Himmelstor
sah mit großen Augen das Christkind hervor;

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und wie ich so strolcht durch den finstern Tann,
da rief`s mich mit heller Stimme an:
„Knecht Ruprecht“, rief es, „alter Gesell,
hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
das Himmelstor ist aufgetan,
Alt`und Junge sollen nun
von der Jagd des Lebens einmal ruhn;
und morgen flieg ich hinab zur Erden;

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denn es soll wieder Weihnachten werden!“
Ich sprach: „O lieber Herre Christ,
meine Reise fast zu Ende ist;
ich soll nur noch in diese Stadt,
wo`s eitel gute Kinder hat.“

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„Hast denn das Säcklein auch bei dir?“
Ich sprach: „das Säcklein, das ist hier,
denn Äpfel, Nuß und Mandelkern,
fressen fromme Kinder gern.“

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„Hast denn die Rute auch bei dir?“
Ich sprach: „Die Rute, die ist hier;
doch für die Kinder nur, die schlechten,
die trifft sie auf den Teil, den rechten.“
Christkindlein sprach: „So ist es recht;
so geh mit Gott, mein treuer Knecht!“
Von drauß vom Walde komm ich her;
ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich`s hierinnen find!
Sind`s gute Kind, sind`s böse Kind?

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Vater: „Die Kinder sind wohl alle gut,
haben nur mitunter was trotzigen Mut.“

Ruprecht: „Ei, ei, für trotzigen Kindermut
ist meine lange Rute gut!
Heißt es bei Euch denn nicht mitunter:
Nieder den Kopf und die Hosen herunter?“

Vater: „Wie einer sündigt so wird er gestraft;
die Kindlein sind schon alle brav.“

Ruprecht: „Stecken sie die Nas auch tüchtig ins Buch,
lesen und schreiben und rechnen genug?“

Vater: „Sie lernen mit ihrer kleinen Kraft,
wir hoffen zu Gott, daß es endlich schafft.“

Ruprecht: „Beten sie denn nach altem Brauch
im Bett ihr Abendsprüchlein auch?“

Vater: „Neulich hört ich im Kämmerlein
eine kleine Stimme sprechen allein;
und als ich an die Tür getreten,
für alle Lieben hört ich sie beten.“

Ruprecht: „So nehmet denn Christkindleins Gruß,
Kuchen und Äpfel, Äpfel und Nuß;
probiert einmal von seinen Gaben,
morgen sollt ihr was beßeres haben.
Dann kommt mit seinem Kerzenschein
Christkindlein selber zu euch herein.

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Heut hält es noch am Himmel Wacht,
nun schlafet sanft, habt gute Nacht.

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(Theodor Storm)

Wie ihr alle wißt, liebe ich Theodor Storm und seine Gedichte und Novellen.

Es war im Jahre 1856, als Storm seine Heimatstadt Husum verließ, weil diese infolge politischer Ereignisse Dänemark zugeschlagen wurde. Seinen Beruf als Jurist hätte er dort nur nach Annahme der fremden Staatsbürgerschaft ausüben dürfen.
So kam Storm nach Heiligenstadt. Der Umzug vom Norden ins Mittelgebirge fiel ihm sehr schwer, zu unterschiedlich waren die Landschaften und die Menschen mit ihren Sitten und Gebräuchen. Das Heimweh gab es daher oft bei Fam. Storm, vor allem in der Zeit, in der es „weihnachtete“.
In dieser Zeit in Heiligenstadt entstanden unter der Stimmung dieser Jahreszeit die Erzählungen „Unter dem Tannenbaum“ (1862) und „Abseits“ (1863), und eben auch das oben aufgeführte Gedicht!

Dem nach Heiligenstadt emigrierten Dichter lagen die Festtage besonders am Herzen. In dieser Zeit als Amtsrichter war er sich nicht zu schade, Tannenzapfen aus dem Wald zu holen und Nüsse zu vergolden für den Christbaumschmuck und sich zu vergewissern, daß die braunen Weihnachtskuchen nach dem alten Familienrezept gebacken wurden.
Und er nahm sich viel Zeit, die Festtagskorrespondenz zu erledigen, die zum Teil heute noch erhalten ist.

(Quelle: versch. Biographien)

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Ich hoffe, der kleine Ausflug „in die Welt des Dichters Theodor Storm“ macht euch Freude!

Und da wir schon einmal wieder im Norden sind, gehen wir nun noch nördlicher und lassen den Weihnachtsmann noch eine Bescherung machen:

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Dann kommt noch euer Türchen:

Und dann sag ich gute Nacht und viel Freude!

:wave:

8 Gedanken zu “Türchen 20

  1. Ach wie wunder, wunderschön, liebe Monika:)

    Du weißt ja, dass ich auch ein großer Freund von Theodor Storm bin.:)

    Sag mal, hat er wirklich ‚fressen‘ geschrieben88|
    ;)

    „Hast denn das Säcklein auch bei dir?“
    Ich sprach: „das Säcklein, das ist hier,
    denn Äpfel, Nuß und Mandelkern,
    fressen fromme Kinder gern.“

    Ich liebe das Gedicht, es ist wirklich wunderschön.

    Das kann ich ich so gut nachvollziehen, dass Theodore unglücklich war, von der Nordsee abgeschnitten zu sein.:yes:

    Ich habe auch an der Nordsee gelebt und es verschlug mich bis kurz vor die Eifel.

    Nichts gegen die Eifel, sie ist wunderschön, aber wer an der Nordsee lebte, kann eigentlich nur mit der Nordseeluft atmen und ich hatte immer Heimweh:yes:

    Danke liebe Monika für diesen feinen Eintrag.
    Er versetzte mich mal wieder in meine Jugendzeit:)

    Liebe Grüße
    Brigitte

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    • Huhu, liebe Brigitte,
      das wußte ich, daß du dich freust, ich weiß ja, daß du Theodor Storm auch so sehr magst! Ich hab mich da richtig drauf gefreut!

      Ja, Brigitte, er hat wirklich „fressen“ geschrieben, in den meisten Veröffentlichungen ist es mit „essen“ angegeben, aber im Original heißt es „fressen“, ich besitze eine limitierte Gesamtausgabe, mit allen Gedichten und Novellen, samt Biographie, Erläuterungen und Erklärungen zu alten Begriffen oder Wörtern. Das ist mein ganzer Stolz und ein großer Schatz!

      Ich kann das auch sehr gut nachvollziehen, daß er Heimweh nach seiner Nordsee hatte, zum Glück konnte er ja wieder in die Heimat zurück!

      Und du ja glücklicherweise auch, ich finde die Eifel auch schön, aber im Gegensatz zur Küstenlandschaft gewinnt für mich auch die Küste, obwohl ich ja eigentlich auch eine „Landratte“ bin, so mitten im Ruhrgebiet. Aber ich liebe die Nordsee wirklich sehr!

      Danke für deinen so lieben Kommentar, hab solchen Spaß, daß du dich gefreut hast und dich in die Jugendzeit träumen konntest!

      Liebe Grüße
      Monika.

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      • Liebe Monika,

        kurz vor dem neuen Türchen hab ich noch mal in dem alten geschwelgt.:)

        Theodor Storm(und Emil Nolde) liebe ich wirklich sehr und ich freue mich, dass du eine so große Freundin und Kennerin von Theodore bist:)

        UND dass du mich wieder an Gedichte heranführst, denn Gedichte liebe ich ebenfalls sehr.

        Ich hatte einen alten Onkel, der liebte es, Gedichte zu zitieren und ich hing an seinen Lippen.

        Schade, dass das heute verloren geht, aber auch ich kann meistens aus dem Gedächtnis nur noch die ersten Zeilen oder Verse ‚aufsagen‘ und dann…

        …schade.

        Doch DU und dein Blog bringen mich dazu, wieder Gedichte aufzusagen( Mr. B muss sie sich jetzt anhören;) :)) ) und ich finde es wirklich fein.

        Danke!!!

        LG Brigitte

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        • Liebe Brigitte,
          das ist ja schön, daß du noch mal gucken warst!
          Ich mochte den Theodore schon in der Schulzeit sehr, „Immensee“ war die erste Novelle, die ich in der Schule kennengelernt habe, wir sollten dazu eine Interpretation schreiben, das hat mir soviel Freude gemacht!
          Dann hab ich mir in meiner Stadtbücherei als Erwachsene seine Bücher ausgeliehen, und dann bekam ich zu einem Geburtstag meine herrliche Gesamtausgabe. Bloß in Husum war ich leider noch nicht, das möchte ich so gerne mal machen!

          So wie du den Onkel, so war es bei mir der Großvater mütterlicherseits, der auch so leidenschaftlich gerne (und gut!) Gedichte rezitierte und damit wohl meine Liebe angelegt hat, später dann mein schon erwähnter Lieblingslehrer!
          Es ist wirklich schade, daß so etwas heute verlorengeht, na, vielleicht können wir beide es ja noch ein bissel weitergeben!
          Einige Gedichte kann ich wirklich noch auswendig, andere aber auch nur noch auszugsweise! Du hast mich gerade daran erinnert, daß mein Großvater die gesamte „Glocke“ von Schiller auswendig konnte! Superleistung!

          Wie schön, daß du auch wieder damit anfängst, und Mr. B wird sich freuen, Mimi hat da auch immer ihren Spaß dran, auch wenn ich singe!

          Ich freu mich sehr für dich, hab einen schönen Tag heute, knuddel Buddylein von mir und liebe Grüße
          Monika.

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  2. Meine liebe Monika,

    wenn man etwas zum 20.mal hintereinander macht,kann man da schon von einer liebgewordenen Tradition sprechen?Ich für mich persönlich tue es!
    Und wenn man nicht nur durchs „Schlüsselloch“ des heutigen Türchens schaut,dann hat eventuelle schlechte Laune erst gar keine Chance!
    Ich danke dir ganz seehr für deinen feinen Eintrag.
    Das wundervolle Gedicht kannte ich bis jetzt noch nicht in voller Länge,nur die kürzere Fassung.
    Der Ausflug in die Welt des Dichters ist interessant.Sehr stimmungsvoll ist auch die Erzählung von ihm „Weihnachten bei Theodor Storm“-ich lese sie jedes Jahr in dieser Zeit.
    Die Bildchen sind wieder soo märchenhaft,ganz besonders natürlich das mit Weihnachtsmann und Eisbärchen-ich bin „hin und weg“ und möchte es am liebsten knuddeln!Allerliebst!
    Unser Video-Türchen heute gefällt mir sehr gut-wie immer!Diese schönen Weihnachtslieder nur instrumental wirken feierlich.
    Rundum sehr gelungen wieder,liebe Monika-herzlichsten Dank für alles!

    Lass dirs gut gehen mit Mimilein und liebste Grüße von Brigitte.

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    • Meine liebe Brigitte,
      ja, das ist es für mich jetzt auch schon, eine liebgewordene Tradition, wie schön, daß du es auch so empfindest!
      Und wie fein, daß ich für gute Laune sorgen konnte!
      Ich hab eine Gesamtausgabe von Theodor Storm, daher hatte ich das Gedicht in seiner Gänze, hihihi!
      „Weihnachten bei Theodor Storm“ ist wirklich wunderschön!

      Ich fand auch den Weihnachtsmann mit den Eisbären soooo niedlich, daher mußte das Bildchen unbedingt mit rein!
      Und die Weihnachtslieder mal nur instrumental gefielen mir auch so gut, und auch die stimmungsvollen Bilder darunter!

      Laß es dir auch gut gehen, wir wünschen einen feinen Tag, liebste Grüße
      Monika und Mimi.

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  3. Liebe Monika,

    das Knecht Ruprecht Gedicht in voller Länge kannte ich ebenfalls nicht, obwohl ich auch einen ganz dicken Theodor Storm Schinken besitze. Ich sollte ihn auch mal wieder in die Hand nehmen…

    Ja, Heimweh kann zur Krankheit werden, wie ich als Kind bei „Heidi“ gelernt habe. Die Menschen, die durch Flucht oder Vertreibung nie mehr dorthin zurückkehren können, leiden wahrscheinlich zeitlebens darunter und sie tun mir unendlich leid. Mein Heimweh stille ich 1mal jährlich mit einem Treffen mit meiner Sandkastenfreundin in Köln.

    Obwohl ich nicht am Meer aufgewachsen bin, habe ich von diversen Urlauben an der Nordsee eine tiefe Sehnsucht nach dem Meer und kann das bei allen, die von dort weggezogen sind, sehr gut nachempfinden.
    Heimat ist aber nicht nur Landschaft, sondern die Summe der Erinnerungen mit den Menschen, die zum großen Teil heute leider nicht mehr leben…

    Vielleicht habe ich zu meiner „Wahlheimat“ keine innige Beziehung gefunden, weil es nicht die Heimat eines Kindes werden konnte – ich erkläre es mir jedenfalls so.

    So, bevor mir Knecht Ruprecht jetzt mit der Rute droht, mache ich lieber Schluss und lausche den schönen Weihnachtsklängen vom Türchen Nr. 20.

    Liebe Grüße, auch an BrigitteP. Ich habe Deine Nachricht erst heute gefunden. Ich werde scheinbar über einen Posteingang nicht mehr informiert.
    Britta-Gudrun

    Gefällt mir

    • Liebe Britta-Gudrun,
      wie schön, daß du auch so einen dicken Schinken von Theodor Storm besitzt, es macht doch immer wieder Freude, ihn zu lesen. Ich hab ihn in der Schulzeit schon entdeckt, die erste Novelle von ihm war, glaube ich, „Immensee“!

      „Heidi“ hab ich natürlich auch gelesen, ja, und spätestens seit da weiß man, das Heimweh krank machen kann, oh ja!
      Und wenn man gar nicht mehr zurück kann, das ist bestimmt ganz schlimm, das tut mir auch immer sehr leid! Man weiß ja, wie man sich selber fühlen würde!
      Schön, daß du dein Heimweh wenigstens einmal im Jahr stillen kannst, und du stammst aus Köln? Das ist fein, ich mag Köln sehr, es ist eine schöne Stadt!

      Mir geht es wie dir, ich habe auch von Urlauben her so eine tiefe Sehnsucht nach dem Meer!

      Das hast du sehr schön ausgedrückt, daß Heimat nicht nur Landschaft ist, sondern die Summe der Erinnerung an Menschen, die mit uns gegangen sind!
      Ich finde die Erklärung für die nicht so innige Beziehung zu deiner Wahlheimat sehr schlüssig, das könnte schon so sein!

      Oh, nein, hier wird keinem mit der Rute gedroht, hihihi, dann wünsche ich dir viel Freude an der Musik!

      Ich häng mich an die Benachrichtigung mal an, daß ist bei mir hier manchmal auch so, dann bekommt man keine Benachrichtigung und entdeckt die Post eher durch Zufall!

      Mimi schickt wieder liebe Grüße an Django, ich danke dir für deinen lieben Kommentar, liebe Grüße
      Monika.

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