Herbstfrüchte: Holunder, Birne & Co./Der Holunder

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(Bild von Brigitte, BrigitteE)

Kinderlied für Agnes

Dort an der Kirchhofsmauer,
da sitz ich auf der Lauer,
da sitz ich gar zu gern,
es regt sich im Holunder,
es regnet mir herunter
Rosin und Mandelkern.
Waldwibichlein, das kleine,
das goldige, das feine,
das hat es mir gebracht.
Es hat ein Schloß im Berge,
das hüten sieben Zwerge,
darin ist große Pracht.
Und es hat mir versprochen:
in aberhundert Wochen,
wenn Agnes wacker sei,
dann käm es mit dem Schlitten,
zu Gaste mich zu bitten –
da seid fein auch dabei.

(Eduard Mörike)

Der Holunder (Sambucus) ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Moschuskrautgewächse (Adoxaceae).
Weltweit gibt es etwa 10 Arten, drei davon in Mitteleuropa.
Der bekannteste ist der Schwarze Holunder.
Er heißt in Norddeutschland „Flieder“, in Altbayern und Österreich nennt man ihn „Holler“ und in der Schweiz „Holder“.

Der schwarze Holunder (Sambucus nigra)ist ein bis zu 11 m hoher Strauch oder kleiner Baum mit starker Verzweigung. Er ist ein Flachwurzler mit weitreichendem Wurzelwerk.
Von Mai bis Juni erscheinen am jungen Holz bis zu 30 cm große, flache Schirmrispen aus vielen Einzelblüten mit weißer bis leicht gelblicher Färbung. Ihr frischer, fruchtiger Duft ist unverwechselbar und typisch für den Holunder. Zwischen den Fingern zerriebene Blätter riechen ebenso, daher kann er auch ohne Blüten und Früchte erkannt werden.
Ab August reifen die anfangs roten, später schwarzen Beeren, die sehr viel Vitamin C enthalten und kaliumreich sind. Sie werden auch als Fliederbeeren bezeichnet und besitzen einen burgunderroten Saft, den man kaum aus Textilien auswaschen kann.
Holunder ist sehr frosthart.
Blätter, Rinde, unreife Beeren und der Samen der Beeren enthalten das cyanogene Glykosid Sambunigrin, ein Giftstoff, der bei empfindlichen Personen und Kindern Erbrechen, Durchfall, leichte Krämpfe und Magenbeschwerden hervorrufen kann. Auch Hunde, Kaninchen, Meerschweinchen und Hamster zeigen diese Symptome und Atembeschwerden.
Durch Erhitzen zerfällt Sambunigrin und die Beeren verlieren ihre Giftigkeit.
Daher Beeren nicht roh verzehren!

Saft und Blüten gelten als gutes Hausmittel gegen Erkältung. Diese Wirkung ist zurückzuführen auf reichlich Vitamin C, Vitamin B, Fruchtsäuren und ätherische Öle, die auch in den Blüten enthaltenen Flavonoide und vor allem das farbgebende Anthocyan. Dieses Antioxidans schützt die Zellmembran vor Veränderungen durch freie Radikale.
Es soll auch einen entzündungshemmenden, schmerzlindernden und fiebersenkenden Effekt haben. Die ätherischen Öle wirken leicht schweißtreibend und schleimlösend.

(Quelle: Wikipedia)

Wow, also der ganze Baum ist ja geradezu eine Apotheke,:yes: noch dazu eine, die weder Praxisgebühr noch Zuzahlungen kostet!:>>
Aber er ist auch eine Augenweide, im Frühling/Sommer die herrlich duftenden Blüten, im Herbst die wundervollen Beeren!:p

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(Bild von Brigitte, BrigitteE)

Es gibt aber noch mehr, was man mit dem Holunder in Verbindung bringt, z.B. diese Dame hier::??:

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Denn in Märchen und Sagen und in der Mythologie hat der Holunder seinen festen Platz.:yes:
Um gleich auf die obige Dame Bezug zu nehmen, selbstverständlich glaubte man im Mittelalter, daß Hexenbesen aus Holunderholz bestehen!;D

Und wer von euch „Harry Potter“ von Joanne K. Rowling kennt, und den Band „Die Heiligtümer des Todes“, wird wissen, daß der Elderstab, der zu den drei Heiligtümern gehört, ein Zauberstab aus Holunderholz ist.
Elder ist ein alter Name für den Holunder.

Begeben wir uns also tiefer in das Reich des Aberglaubens und der Sagen und Märchen:88|

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In der keltischen Mythologie ist der schwarze Holunder ein Schwellenbaum. Er schützt die auf der Erde lebenden vor den in der Erde lebenden, ist also die Grenze von Unterwelt und Mittlere Welt (Erde).:yes:

In der germanischen Mythologie saß im Holderbusch die Göttin „Holda“ oder „Holder“, die Pflanzen und Tiere schützte. „Holda“ oder „Holder“ taucht im Märchen der Gebrüder Grimm als Frau Holle auf.;D
Der Holunder wurde als Schutz gegen böse Geister und Blitzeinschläge oft und gerne neben die Häuser gepflanzt.:yes:

Im Mittelalter herrschte die Ansicht, daß der Holunder mit bösen Zauberern und Hexen in Verbindung stehe. Daher gab es auch keine Möbel aus Holunderholz.:no: Und eben der Glaube an den o.g. Hexenbesen!:))

Einer Sage nach soll sich Judas nach seinem Verrat an einem Holunderbaum erhängt haben!

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Sooo, nun tauchen wir aber aufatmend:yes: und schnell ein Lichtlein anzündend aus der Unterwelt wieder ans Tageslicht und widmen uns den echt weltlichen Genüssen,:yes: nämlich dembuch_u_013 Rezeptbuch:

Aus den Blütendolden des Holunders kann man „Hollerküchel“ backen, man zieht die (gewaschenen) Blütendolden durch einen Teig aus Mehl und Eiern und fritiert sie anschließend in heißem Fett.

Bleiben wir bei den Blüten und erwähnen hier noch, daß man sie hervorragend trocknen kann für einen Holunderblütentee (Fliedertee).

Holunder-Gelee

2 kg Holunderbeeren (wer weniger verwendet, muß das Rezept anteilig abändern)
Gelierzucker (je nach Geschmack Pfund auf Pfund oder auch 2 : 1)
2 Zitronen (Saft)
etwas Zitronenschale
2 Nelken
1 Stange Zimt

Holunderbeeren waschen, Beeren abzupfen.
Wer einen Dampfentsafter hat (ich!):oops: ist klar im Vorteil, Beeren darin entsaften.
Alle anderen müssen die Beeren in einen großen Topf geben und etwa ein Fingerbreit Wasser dazugeben. Beeren etwas zerdrücken, dünsten, bis sie geplatzt sind. In ein Sieb mit Mulltuch füllen, über Nacht den Saft ablaufen lassen. Saft abmessen, Gelierzucker im Verhältnis wie o.a. hinzufügen, den Saft der Zitrone und die Gewürze. Alles erhitzen, vier Minuten sprudelnd kochen lassen, zwischendurch, falls nötig, abschäumen. Gelierprobe machen, Gewürze entfernen und heiß in Gläser füllen, sofort verschließen.

Man kann auch richtig fein Holunderbeerensaft im Dampfentsafter machen, dabei auf 2 kg Beeren 200 g Zucker und etwas Zitronenschale zufügen. Dann auf Flaschen abfüllen, evtl. vor dem Abfüllen einen kräftigen Schuß Rum dazugeben.:>> Mit Zitronensaft erhitzt ist dieser Saft ein vorzüglicher Anti-Grippe-Punsch.:p medizin_055

Oder aus dem Saft einen Holunder-Brandy machen.
Saft aus 1 kg Holunderbeeren mit 125 g Zucker und 1 Flasche Weinbrand mischen, auf Flaschen füllen, gut verschließen und 6 Wochen oder länger lagern vor Gebrauch.

Viel Spaß beim Ausprobieren, mit dem „Apotheken-Arsenal“ kann uns diesen Winter eigentlich nix mehr erschüttern!:no:;D:))

:wave:

9 Gedanken zu “Herbstfrüchte: Holunder, Birne & Co./Der Holunder

  1. Meine liebe Monika,

    das war jetzt wieder Unterhaltung vom Feinsten,die so viele Bereiche beinhaltete:Literatur,Botanik,Kulinarisches-sogar ein Ausflug ins Reich der Sagen,Märchen und Mythen war dabei!Habe herzlichsten Dank für ALLES!
    Sehr interessant.
    Bei Holunder erinnere ich mich spontan an zwei Dinge in meiner Kindheit:
    Wir Mädchen nutzten die weißen Blüten als Blumenkohl beim Verkaufsspiel,und die Jungen machten mit den Beeren mittels Blasrohr „Jagd“ auf uns.Unsere Mütter mussten dann bei der Fleckenentfernung alle Hausfrauenkünste aufbieten.
    Es war oft nur Schadensbegrenzung!

    Psst,komm mal ganz nah ran,liebe Monika,dass es BrigitteE.nicht hört:
    Könnte es sein,das dieses hübsche Foto mit der wunderschönen Holunderdolde gar keine ist,sondern eine Portion Kaviar von einem großen Fisch,die sie letztens vom Norddeich mitbrachte?! :-)))
    Danke für die tollen Fotos,BrigitteE.!

    Dir,liebe Monika und Mimi einen schönen Freitag
    und liebste Grüße von Brigitte.

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    • Meine liebe Brigitte,
      freu, freu über deinen lieben Kommentar!
      Es hat wieder so einen Spaß gemacht, das alles zusammen zu tragen, man staunt ja manchmal selber, was man da alles findet.
      Holunderblüten als Blumenkohl ist echt eine gute Idee, auf was man als Kind so alles kommt, nicht wahr? Tja, und die Mütter werden sich über die Flecken nicht gerade gefreut haben, es war ja damals auch noch schwerer, sie zu entfernen.

      Hihihi, das muß aber ein seeehr großer Fisch gewesen sein!
      Das Foto ist wirklich wunderschön, und ich sag hier auch nochmal danke, BrigitteE!

      Wir wünschen dir auch einen schönen Freitag, schon wieder eine Woche rum, die Zeit rennt zu schnell!
      Liebste Grüße
      Monika und Mimi.

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  2. Huhu Monika,

    ich bin spät erst zurückgekommen und habe mich jetzt sehr über deinen tollen Bericht gefreut.
    Das ist alles so fein zusammengetragen von dir, es ist ein Freude alles zu lesen.
    Fliederbeersaft hat meine Schwiegermutter immer gemacht und mein Mann hat ihn bei drohender Erkältung mit Honig getrunken.
    Ich mache Gelee aus den Blüten indem ich die Blüten über Nacht in Apfelsaft einweiche, später abseihe und mit Gelierzucker aufkoche.Auch lecker;)

    Hast du Sekt aus Fliederbeerblüten gefunden? Eine explosive Angelegenheit;) :))

    http://www.heilkraeuter.de/rezept/holunder-sekt.htm

    Danke für diesen wirklich wunderschönen Beitrag und das feine Gedicht.

    Liebe Grüße
    Brigitte

    P.S. Ja, Kaviar wäre schon fein, oder;)

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    • Huhu, Brigitte,
      da freu ich mich aber sehr, daß es dir wieder gefällt!
      Wenn du spät zu Hause warst, gehe ich davon aus, daß es richtig schön war?!
      Fliederbeersaft mit Honig ist auch ganz fein, mein Papa hat immer die Blüten gesammelt, getrocknet und dann im Winter Tee davon gemacht, zum Schwitzen bei drohenden Erkältungen, das hat echt immer gewirkt! Die alten Hausmittel kommen ja heutzutage auch wieder zu Ehren, das ist auch gut so!
      Dein Gelee aus den Blüten hört sich toll an, daß werde ich auch mal ausprobieren!

      Wow, Fliederbeeren-Sekt, ich hatte irgendwo einen Hinweis darauf, aber der Link ist erste Sahne, da lebste aber gefährlich, hihihi, „zu Risiken und Nebenwirkungen…“, hahaha, toll!

      Kaviar wäre durchaus fein, ich mag ihn, und da Brigitte/Plauen ihn mit der Holunderdolde verglichen hat, kennst du den Gag mit „die Brombeermarmelade schmeckte etwas nach Fisch?!“ (Kaviar, hihihi!)

      Eine gute Nacht wünsche ich dir und einen feinen neuen Tag, lieben Knuddler an Buddy, liebe Grüße
      Monika.

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  3. Liebe Monika,

    da hast du ja wieder einen tollen Eintrag verfasst.
    Ich habe auch schon gehört, dass Holunder so gesund
    sein soll, wusste aber nicht genau, wofür er gut ist.
    Dank dir, bin ich nun etwas schlauer,
    und werde es mir in jedem Fall merken.
    Ich mache ja sehr viel mit Kräutern
    und vermeide es dadurch fast immer,
    zu einem Arzt gehen zu müssen.

    Die Natur heilt oft viel besser,
    aber es ist auch mit Arbeit und vor allem
    mit Eigenverantwortung für die Gesundheit zu tun.

    Ich wünsche dir noch was
    und sende dir viele liebe Grüße
    Conchi

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    • Liebe Conchi,
      danke für den lieben Kommentar, freu mich, daß es dir gefallen hat.
      Ich bin auch so eine „Kräuterhexe“, da hab ich schon mit angefangen, als mein Sohn noch ganz klein war, weil ich auch der Meinung bin, daß die Natur mitunter bessere Mittel hat als die Schulmedizin. Ich bin bei meinem Sohn und auch bei mir damit gut gefahren, aber du hast schon recht, es ist schon mit Arbeit und Eigenverantwortung verbunden. Und ich hatte zum Glück eine gute Kinderärztin, die der Naturheilkunde sehr offen gegenüberstand.

      Wünsch dir eine gute Nacht und einen feinen Sonntag, liebe Grüße
      Monika.

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      • Liebe Monika,

        sehr gerne, ich finde es toll, dass du auch auf Naturmedizin setzt und mit Kräutern arbeitest, und vor allem ist es toll, dass du sogar eine Ärztin gefunden hast, die dem offen gegenüber stand. Bei sowas habe ich schon öfter man erlebt, dass Ärzte sehr abweisend, oder sogar böse reagiert haben, aber ich bin auch der Meinung, dass die Naurmedizin besser ist, und man nur in Ausnahmefällen einen Arzt braucht.

        Danke dir, den wünsche ich dir auch.
        LG an dich
        Conchi

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        • Liebe Conchi,
          ja, das war ein echter Glücksfall mit der Kinderärztin, gerade für ein Kind fand ich das so wichtig, sie nicht endlos mit Chemie zu überfrachten, wir sind jedenfalls gut damit gefahren. Die meisten Schulmediziner fahren da meiner Meinung nach viel zu eingleisig!

          LG an dich
          Monika.

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          • Liebe Monika,

            ja, das war es bestimmt, und ich kann mir vorstellen, dass es deinen Sohn auch geprägt hat. In unserer Familie sind wir uns in der Hinsicht auch alle sehr ähnlich. Ja, manche Ärzte fahren da sehr einseitig, aber ich denke, dass hat etwas mit dem Geschäftssinn zu tun. An der Chemie verdienen sie mehr und von den meisten Medikamenten wird man auf Dauer abhängig und noch kränker, so dass man ein guter Kunde bleibt. ;)

            LG auch an dich
            Conchi

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